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City:Impulse THEMA

Unter dieser Rubrik wollen wir Themen die für unseren Altstadtsstandort und somit für unsere UnternehmerInnen eine Chance oder eine Bedrohung, dem Trend entsprechen oder einfach nur von aktuellem Interesse sind und unser Stadtmarketing Arbeit betreffen für Sie recherchieren, aufbereiten und unser Stellungnahme dazu abgeben. Anmerkung: Die inhaltlichen Meinungen sind nicht zwingend Deckungsgleich mit den persönliche Meinungen unserer Gesellschafter und Aufsichtsräte. Gerne greifen wir Themen die von Ihnen kommen auf...  

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Thesen zur Stadtentwicklung / Innenstadtentwicklung (Egger & Partner)

Die (Innen-)Stadtentwicklung ist eng an die Entwicklungen im Einzelhandel gekoppelt: Er prägt das Bild der Innenstadt, ist Basis für ein vielfältiges öffentliches Leben und Ausgangspunkt für andere Einrichtungen und Angebote. Die Innenstadt ist ein klassischer Frequenzstandort für den Einzelhandel. Doch die Funktionen des Einzelhandels haben sich im Laufe der Zeit stark verändert: Neue Aufgaben sind dazugekommen, andere verschwunden.

Gleichzeitig ist die Konkurrenz zur Innenstadt gewachsen, da in den letzten Jahren zusätzliche Verkaufsflächen – speziell an der Peripherie – entstanden sind (Österreich liegt mit der durchschnittlichen Verkaufsflächen-Dichte von 1,85 m²/Einwohner an der Spitze in Europa / EU-Durchschnitt 1,06 m²/Einwohner). Zudem sinkt der Umsatz im stationären Einzelhandel und steigt der Umsatz im Online-Handel von Jahr zu Jahr (produktspezifisch). Manche Handelsexperten sprechen davon, dass diese Entwicklungstrends die Verkäufsflächen um ca. 15 bis 20 % reduzieren werden.

Die Zukunft der Menschheit liegt in den Städten. Laut UNO werden im Jahre 2050 mehr als drei Viertel der Weltbevölkerung in Metropolen leben – gegenüber heutigen fünfzig Prozent. Den größten Zuwachs erleben Städte mit unter einer halben Million Einwohnern. Dadurch wird sich das städtische Leben verändern (Singles, Senioren, etc.).

Im Wettbewerb der Städte werden neben den harten Standortfaktoren die weichen immer wichtiger (etwa Wohn-, Freizeit-, Aufenthalts- und Lebensqualität; Umwelt, Nachhaltigkeit, Kultur, Sicherheit, Sauberkeit, etc.). Städte konkurrieren in Zukunft über das „urban design“, über den gebauten Lebensstil. Wir haben es heute immer stärker mit inszenierten Städten zu tun, mit simulierter (und kontrollierter) Urbanität. Dies wird das städtische Leben und die Beziehung von Stadt und Konsum massiv beeinflussen. Das Konsum- und das Einkaufsverhalten werden sich verändern und dadurch auch die Sortimente und Angebote. Diese Thesen beschreiben die wichtigsten Veränderungen für die (Innen-)Stadtentwicklung.

These 1: Die Stadt erlebt eine Renaissance als Lebens- und Kulturform. Die „Dezentralisierung der Zentralität“ setzt sich fort, in Zukunft existieren mehrere Stadtzentren nebeneinander. Dadurch verstärkt sich der Wettbewerb um die Konsumenten. Jeder Stadtteil erhält die Möglichkeit, sich als Shopping Location zu positionieren.

These 2: Das Buhlen um die Aufmerksamkeit der Konsumenten zwingt die traditionell gewachsenen Innenstädte verstärkt zur Inszenierung als Kristallisationspunkt von Einkauf, Erlebnis und Urbanität unter dem Motto „maximum kicks in minimum time“. Für den Einzelhandel bedeutet dies eine weitere Abkehr vom traditionellen Ladenlokal und eine Fokussierung auf das „Unstore Concept“ (Showrooming, etc.).

These 3: Fortschreitende Individualisierung, Zerfall traditioneller Gemeinschaften und „Versingelung“ von Städten führen zu einem sozialen Vakuum. Die Menschen sehnen sich nach Nähe, Zugehörigkeit und Geborgenheit. Konsumenten suchen Orte auf, wo sie unter Menschen sind, nicht unter Kaufzwang. Es geht weniger um reines Shopping als um die Möglichkeit zum „Socialising“.

These 4: Die steigende Bedeutung der Stadt als Aufenthaltsort zwingt die Innenstadt zu einer radikalen Kunden- und Serviceorientierung, und zwar zu jeder Tageszeit. Der Handel übernimmt zusätzliche Aufgaben, im Extremfall auch öffentliche Funktionen und Dienstleistungen. Das „one-stop-shopping“ wird zum „one-stop-urbanism“.

These 5: Neue Hightech-Ökostädte deuten an, wohin die Reise geht: Das Verhältnis von Stadt und Land wird neu definiert. Die Natur dringt in den urbanen Raum vor. Die Stadt der Zukunft setzt auf Lebensqualität, Nachhaltigkeit und Ökologie. Grüne Strategien werden im Standortwettbewerb wichtiger (Urban gardening, etc.).

These 6: Dank dem technologischen Fortschritt vermischen sich reale Welten mit virtuellen sowie private Räume mit öffentlichen (also nicht „entweder-oder“ sondern „sowohl-als-auch“). Die Grenzen verschwimmen. Die urbane Shopping-Landschaft wird zu einer Spielwiese für technische Innovationen, das Handy zum City Guide und persönlichen Shopping Assistant (Digitale Einkaufsstadt).

These 7:Der Mega-Trend zur Technisierung und Rationalisierung lässt den Anti-Trend „Neue Menschlichkeit“ entstehen. Je stärker diese „High-Tech-Entwicklungen“ voranschreiten, umso mehr werden die menschliche Beziehungsqualität und der „Mensch-zu-Mensch-Kontakt“ aufgewertet. Die Innenstadt als das emotionale, feminine „Wohlfühl-Wohnzimmer“ (Third place).

These 8: Trend zur Polarität hat einen hybriden Konsumenten mit unterschiedlichsten Einkaufsgewohnheiten geschaffen: Heute kauft der Kunde bei Hofer, morgen im Online-Handel, übermorgen beim Feinkostladen oder Wochenmarkt ein. Unterschiedlichste Einkaufsgewohnheiten je nach Produkt und Situation vereint in einer Person.

These 9: Innenstädte haben im Gegensatz zu Einkaufszentren eine gelebte Multifunktionalität und können dadurch mehr Einkaufserlebnis vermitteln. Denn aus Kundensicht wird ein attraktives Gesamterlebnis gefordert. Die Innenstadt der Zukunft ist kein monotones Kauf-Programm, sondern ein multifunktionales 6-K-Programm: Kultur, Kulinarik, Kreativität, Komfort, Kommunikation und Kauf.

These 10: Urbanität wird als positiver Wert neu entdeckt, und der Handel kann davon profitieren. Die zentrale Aufgabe des Einzelhandels ist es, das „urban design“, den inszenierten Lebensstil der Stadt, zu unterstützen: durch Architektur, Geschichten (Storytelling), Emotionen und Inszenierungen (Qualität vor Quantität!).

These 11: Der Online-Einkauf bedroht vor allem großflächige Geschäfte in Einkaufszentren, wo die Verkaufsfläche in den nächsten Jahren weiter sinken dürfte. Andererseits nutzen stationäre Händler das Internet als Showroom und benötigen nur noch kleine Shops. Online-Händler beginnen, eigene Läden zu eröffnen, um ihre Waren zu präsentieren. In Deutschland betreibt schon jeder zweite der 1000 größten Online-Shops ein stationäres Geschäft – bevorzugt in Einkaufsstraßen.

These 12: Die demografische Entwicklung spricht für viele Innenstädte. Die Konsumenten werden in Zukunft im Schnitt älter sein als heute. Daher werden die innerstädtischen Nahversorger wie der Bäcker ums Eck, etc. an Bedeutung gewinnen.

These 13: Die Parkplatzfrage, eines der Hauptmotive für Einkaufszentren, verliert zunehmend an Bedeutung. Das Mobilitätsverhalten der Jungen in der Stadt hat sich verändert, und immer weniger machen einen Führerschein. Neue Fußgängerzonen entstehen und beleben die Innenstädte.

These 14: Die Einzelhändler in Einkaufszentren müssen derzeit extrem hohe Mieten zahlen. Angesichts steigender Internet-Konkurrenz und abnehmender Kundenfrequenz werden viele Händler ihre Standortstrategie neu überdenken müssen.

 

Quelle: Mit freundlicher Genehmigung der Fa. EGGER & PARTNER / Herrn Thomas Egger

EGGER & PARTNER | Keimlgutgasse 11, 4040 Linz, Austria | M. +43 (0)664 / 22 31 770 | T. +43 (0) 732 / 716 811 - 0, Fax: DW -11 | egger@partner.co.at | www.egger-partner.at


Leitbilder – Wohlfühlmanifeste für unsere Städte

Ein Beitrag von Daniela Krautsack, MBA, Urban Branding Expertin und Trendforscherin (Wien): (Veröffentlichung genehmigt von Stadtmarketing Austria)

Warum sind Leitbilder wichtig für uns? Dazu gibt es eine recht einfache Antwort. Wir wollen uns wohlfühlen an dem Ort, der unser Zuhause ist, unsere Arbeitsstätte birgt und an dem wir unsere Freizeit verbringen. Leitbilder und Leitsätze, die Maßnahmen für ein Regelwerk definieren, das uns Möglichkeiten zur Entfaltung bietet und eine sichere, nachhaltig gestaltete Umgebung schafft, ebnen den Weg dorthin. Wohin eigentlich?

Wie wird unsere Stadt 2030 aussehen, wie 2050? Für jemanden, der in den Siebziger Jahren geboren wurde, wirkte dieses Datum stets in ungreifbarer Ferne. Zumindest Menschen mittleren Alters ahnen, dass die nächsten 14 Jahre wie im Flug vergehen werden und immerhin will man 2030 die erste Wohnsiedlung auf dem Mars bauen.

Dass sich Städte, erst mal auf unserem Planeten verändern, sehen wir, ja spüren wir. Globale Einflüsse vermengen sich mit lokalem Handeln, allgemeine gesellschaftliche Trends, wie z.B. die demografische Entwicklung einer Stadt, treffen auf spezielle örtliche Verhältnisse. Wir wohnen und arbeiten, lernen, versorgen und erholen uns in einer Stadt, und durch alles, was wir mit vielfältigen und auch unterschiedlichen Interessen und Perspektiven tun, gestalten wir täglich unsere Stadt. Wir wollen „gemeinsam“ die bestmöglichen Bedingungen schaffen, damit sich Menschen in ihrer Stadt wohlfühlen. Das Leitbild bietet dafür die Grundorientierung und skizziert sozusagen den „Horizont“ der angestrebten möglichen Entwicklung.

„Für ein Leitbild braucht man ein Problem.“, meinte Wolf Lotter, österreichischer Journalist und Autor, in einem brandeins Interview zum Thema Leitbilder schon 2004, „und den Mut, es zu erkennen. Den Willen, es zu lösen. Die Verpflichtung, es zu erfüllen. Das leitet zu einem Ziel, einer Vision, die so klar ist, dass man sie verstehen kann – bildhaft.“ So sieht das auch Mag. Claudia Brandstätter, Geschäftsfüherin bmm, Brandstätter Matuschkowitz Marketing GmbH, eine Expertin für Leitbildprozesse. „Die Vision stellt den Polarstern für eine Stadt oder eine Region dar, einen Richtungsweiser, der bedingt, dass man sich klar ist, wo die Stärke der Stadt liegt. Aus einer Vision wird eine eindeutige Positionierung abgeleitet. Und daraus entsteht das Leitbild. Folglich eine Marke. Und meiner Meinung nach machen starke Leitbilder eine tolle Stadt zu einer starken Marke.“

Die Entwicklung von Leitbildern war in den Neunzigern und auch noch einige Jahre danach voll im Trend. Doch plötzlich sprachen Experten von ‚Megatrends’ und ihre Auswirkungen auf Städte, die sich folglich mit Themen wie Digitalisierung, wachsenden Städten und einer neuen Leitwährung des 21. Jahrhunderts namens ‚sharing economy’ konfrontiert sahen. Die Leitbild-Bedeutung litt unter dieser Entwicklung. Das wachsende Verständnis dafür, dass eine Stadt eine eigenständige Positionierung und eine Identität braucht und zur Marke werden muss, um im ökonomischen Wettkampf bestehen zu können, motiviert nun dazu, Leitbilder zu überarbeiten oder gar ganz neu zu definieren.

Das DenkwerkStadt – Symposium, das Ende September in Nußdorf am Attersee stattfindet, wird auf die Bedeutung von Leitbildern hinweisen und die häufig geschilderte Problematik erörtern. Dass es oft kein Miteinander in der Entwicklung eines Stadt-Leitbildes gibt, sondern dass viele Abteilungen ihr eigenes Leitbild machen und durch mangelnde Abstimmung und Kommunikation kein gemeinsamer Nenner gefunden wird.

Das Leitbild muss sich nämlich mit zentralen, teilweise auch umstrittenen Fragen befassen und sich auch mit den Schwächen einer Stadt auseinandersetzen. Es geht um die Verwendung und Gestaltung des öffentlichen Raums, Nutzungs- und Angebotsmix, innerstädtisches Verkehrsmanagement, Kultur, Fragen des Marketings, und so weiter. Es ist eine Basis dafür, dass die Attraktivität der Städte weiter gesteigert werden kann und, das ist ein zentraler Hauptnutzen von Leitbildern, dass sich die Bürgerinnen und Bürger der Stadt wohlfühlen: gehört, verstanden, angenommen.

„Die entscheidende Frage ist: Wer entscheidet denn in den Städten?“, fragt Maria Angerer, selbständige Soziologin mit Schwerpunkt Netzwerke und Zukunftsforschung. Angerer ist Mitbegründerin des Instituts für partizipative Sozialforschung in Wien, das sich mit Netzwerk-Erhebungen für die Stadtentwicklung beschäftigt. „ Es sind einerseits Stadtregierungen und Stadtverwaltungen, die in den letzten Jahrzehnten immer stärker bestrebt sind, BürgerInnen in ihre Entscheidungen einzubeziehen. Wie das geschieht, damit beschäftigt sich eine ganze Szene von Stadtentwicklern, Prozessgestaltern, Soziologen, Architekten und Raumplanern. Tatsache ist aber, dass es mit einem rein repräsentativen Ansatz nicht mehr getan ist. Es reicht nicht mehr, die Gestaltung der Zukunft an Experten auszulagern. Wer mitbestimmt, trägt diese Entscheidung mit und ist auch mit dabei, sie umzusetzen. Veränderung und Entwicklung in einer Stadt – beides braucht Menschen, die denken und handeln – keine bloßen Konsumenten oder Wähler. Und: Wer Menschen zum Denken und Handeln bringen will, muss sie als ganze Menschen sehen – und nicht in ihrer „Rolle“ als Wähler oder „Beteiligter“, sondern mit ihren Visionen, Bedürfnissen und Wünschen und muss zulassen, diese in ihrer Fülle kennenzulernen und ernst zu nehmen. Das Kennenlernen funktioniert nur über Kontakte und Begegnungen; das erfordert die Fähigkeit zum Zuhören, Lernen und einen Perspektivenwechsel. Das erfordert die Bereitschaft, die eigenen Denkpfade zu verlassen, und sich auf andere Standpunkte tatsächlich einzulassen. Es erfordert die Bereitschaft, zu erwägen, dass der Andere recht haben könnte.“

Ja, das klingt anstrengend. Die Mühe lohnt sich aber. Das haben jene Städte gezeigt, die zur BürgerInnen-Partizipation einluden. Unsere Kultur besteht aus Individualisten; viele möchten heute anders als die ‚Anderen’ sein. Unser Ziel sollte es jedoch sein, gemeinsam unseren Lebensraum zu erhalten, der uns eine individuelle Freiheit gewährt. Dafür müssen wir gemeinsame Nenner finden und zwischen Abteilungen und Arbeitsbereichen lernen, effizient und mit Verständnis für andere Meinungen zu kommunizieren. Diesen gemeinsamen Nenner zu finden braucht Identität. Und diese Identität wird sich nur entwickeln lassen, wenn wir wissen, wer wir sind, das heißt aber auch, wer der Andere ist: der Reiche, der Arme, der Alter, der Junge, der Einheimische, der Eingewanderte, der mit Lohnzettel und der ohne, der links, mitte oder rechts wählt.

Das Herausfinden dieser Stadt-Identität ergibt sich nicht einfach aus der Geschichte oder Tradition heraus. Es reicht nicht, diese Herausforderung an eine Werbeagentur auszulagern. Identitätsfindung ist Verhandlungssache. Und zwar zwischen allen Bewohnern.

Wenn das Leitbild einmal definiert ist, unterliegt es einer regelmäßigen Kontrolle und Kurskorrektur. „Das Leitbild einer Stadt, eines Standorts oder einer Region unterliegt einem dynamischen Prozess.“, erklärt Claudia Brandstätter. „Stellen Sie sich als Analogie zum Leitbild einen Netzplan vor“, fügt Brandstätter hinzu, „mit immer mehr Erlebnishaltestellen und den unterschiedlichsten Verkehrsmitteln, vom Rad-Taxi bis hin zum Schnellzug, alle mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten unterwegs, und trotzdem steht immer das Wohlfühlen bei der Weiterentwicklung im Vordergrund. Einmal im Jahr muss man auf alle Fälle hinterfragen, inwieweit die Leitsätze in den unterschiedlichen Bereichen der Stadt gelebt werden. Es ist das Leben im Alltag, welches das Leitbild erst lebendig macht.“

Leitbilder unterliegen also einem fließenden Prozess, der regelmäßig gesellschaftspolitische Elemente und jene, die der Markt über die Jahre verlangt, ins bestehende Leitbild integriert. Im Falle des Leitbilds von Hamburg hieß das zum Beispiel, “dass Hamburg mit der Integration des Fokus auf die Kreativwirtschaft ein zweites Standbein bekam”. Die eine Stadt mag ihre Anstrengungen auf die Bereiche Luftfahrt, Logistik und Hafen legen und daneben zur Integrationsstadt werden, und noch eine andere will sich zur Talentstadt entwickeln, um kreative Menschen aus aller Welt anzuziehen. Diese Talentstadt fokussiert dann im Leitbild alle Cluster auf den Aspekt der “Kreativität“.

Jan Gehl, der ‚das menschliche Maß’ als Prämisse für eine erfolgreiche Stadtgestaltung sieht, rundet das Thema zur angepeilten Leitbildüberarbeitung von Städten ab. Er sagt in einem Interview mit der Tageswoche in der Schweiz: „Die Menschen wollen mehr darüber erfahren, wie die Stadt in zehn, zwanzig Jahren aussieht, wenn ihre Kinder und Enkel groß sind. Sie können gute von schlechten Alternativen unterscheiden. Mitwirkung ist gut, aber ihre Voraussetzung ist Aufklärung. Die Menschen müssen ganz genau wissen, worüber sie entscheiden können. Wenn man zum Beispiel ohne vorherige Information der Bevölkerung verkündet, sämtliche Parkplätze zu entfernen, gibt es einen Aufstand. Meine Frau und ich radelten Seite an Seite mit dem Fahrrad durch Kopenhagen und realisierten plötzlich, wie viel besser unsere Stadt geworden ist. Es ist ein wahnsinnig gutes Gefühl, jeden Morgen zu wissen, dass die Stadt ein wenig besser ist als am Tag zuvor. Das gibt Hoffnung für die kommenden Generationen. Gelingt es einer Stadt, dieses Gefühl zu vermitteln, werden Stadtplaner (Anm. der Redaktion: „und Leitbild-Entwickler“) auf wenig Widerstand stoßen.

Literatur zum Nachlesen:

www.roedermark.de/fileadmin/home/News/Repraesentativbefragung/Die_Stadtleitbild-Entwicklung.pdf

www.aktive.kernbereiche-hessen.de/dynamo/files/user_uploads/instrumente/04_HSGZ-Sonderdruck_9_05.pdf


A Storytelling Guide of Content Marketing oder kurz gesagt: ‚What’s your story’?

Ein Beitrag von Daniela Krautsack, MBA, Urban Branding Expertin und Trendforscherin (Wien) im Auftrag und mit Genehmigung von Stadtmarketing Austria:

So sehr ich mich bemühe, englische Ausdrücke im Titel zu vermeiden: ‚Ein Leitfaden über die Erzählkunst zur Vermarktung von Inhalten’ hört sich einfach lahm an. Sie wissen aber sicherlich, was unter Storytelling zu verstehen ist und genauso, dass der Trendbegriff ‚Content Marketing’, der 2001 vom US-amerikanischen Autor Joe Pulizzi begründet wurde, eine Technik ist, die mit informierenden, beratenden und unterhaltenden Inhalten eine bestimmte Zielgruppe ansprechen soll, um sie vom eigenen Unternehmen oder der eigenen Marke zu überzeugen. Natürlich soll Content Marketing vor allem Kunden gewinnen und sie längerfristig an Unternehmen und Marke binden.

Ist Content Marketing also eine Form von Werbung? Oder Journalismus? Oder eine Form von PR, die Prominente über „Influencer Marketing“ dafür bezahlt, ein Produkt bei Facebook oder Twitter anzupreisen? Mit diego5 und Studio71 Vienna kümmern sich zwei Unternehmen in Österreich um die Vermarktung von Internet-Sternchen. Diese Influencer genießen in ihrer Fangemeinde hohes Ansehen und behaupten sich als Experten in einem bestimmten Themengebiet. Dass Millionen von Youngsters einer jungen Dame namens Rclbeauty101 auf Youtube folgen, und sich regelmäßig um den Gewinn eines einzigen Macbooks bemühen, erklärt die Macht von Storytelling, aber auch einen Aspekt der zunehmenden Volksverblödung in den USA. Dass diese Zielgruppe dann Postings glaubt, die berichten, dass Internet-Star und Model Kendall Jenner rasch mal beim Estee Lauder Stand im Kaufhaus Macys vorbeischaute, um einen Lippenstift zu kaufen, ist nicht weiter verwunderlich, außer, dass Kendall Jenner mehr Leute folgen, als es Einwohner in Spanien gibt und dass ihre Instagram-Fangemeinde innerhalb eines Tages ab Bekanntmachung Jenners als neue Estee Lauder – Markenbotschafterin um 18% nach oben kletterte.

Wenn also eine Pharma-Marke gegen Kopfschmerzen ein ‚Migräne-Spezial’ eines Nachrichtenmagazins sponsert, ist das cleveres Content Marketing oder eine ethisch fragwürdige Form von Schleichwerbung? Eine kürzlich veröffentlichte Studie zu Content Marketing deutscher DAX-Unternehmen sieht die Grenzen zwischen ‚klassischem‘ und ‚Unternehmens-‘Journalismus verschwimmen. Der Medienkonsument soll nicht gleich merken, dass hinter Ratgeberseiten für Gesundheit, Ratgeber-Reportagen über mobile Kommunikation oder etwa eine spannende Story über drei Abenteurer nicht etwa Autoren unabhängiger Medienhäuser, sondern Unternehmen stehen.

Die deutsche Politikwissenschaftlerin und Journalistin Petra Sorge erklärt das Phänomen Content Marketing so: „Banner und Popups waren gestern: Die neue Werbung will nicht mehr aufdringlich ein Produkt anpreisen, sondern ein Lebensgefühl vermitteln, Tipps geben, Nutzwert liefern – und so möglichst neue Kundengruppen erschließen. Content Marketing geht weiter als reine Unternehmenskommunikation: Statt mit dem Lufthansa Magazin nur die Fluggäste zu erreichen, sollen auch potenzielle Kunden, die noch kein Ticket gelöst haben, über Blogs, soziale Medien und eigene Webangebote erreicht werden.“

Petra Sorge hat dazu spannende Beispiele gefunden. BMW setzt auf eine Parkassistent-App, die im Gegensatz zu herkömmlichen Parkuhr-Applikationen dem Fahrzeuglenker meldet, wann genau dieser von seinem aktuellen Standort losgehen muss, um rechtzeitig sein Fahrzeug zu erreichen.

Banken bieten kostenfreie Webinare und Autofirmen, wie Mercedes und BMW vermitteln in Zukunftsblogs eigene Visionen rund um Themen, wie Nachhaltigkeit und Mobilität. Und Red Bull? Tja, Red Bull vertreibt seine News über eigene Sportevents gleich direkt bei der Nachrichtenagentur Reuters.

Denn gut gemachtes Content Marketing kommt anders daher als ein klassischer Werbespot. Wenn die Story gut ist, stört es mich auch nicht, dass ich nicht sofort den Absender erkenne. Dann tauche ich ab in eine Story, die meine Aufmerksamkeit fesselt und mir bei einem Thumb-Up Erlebnis ein anerkennendes Wow entreißt. Allerdings erfolgt das Einfangen von Aufmerksamkeit oft so, dass die Rezipienten der ‚Geschichte’ nichts mitbekommen – anders als bei klassischen Werbespots.

Drei Tipps für eine erfolgreiche Content Marketing-Strategie:

Tell a story. Der einzige rote Faden, der sich durch die Social Media Kampagne jeder erfolgreichen Automarke zieht, ist Storytelling durch Bildmaterial. Es reicht nicht, einfach nur ‚Inhalte’ zu posten – diese müssen für die Zielgruppe relevant sein und einen Widerhall finden. Die Verwendung von Videos und atemberaubenden Fotos erlaubt Marken, laufend Geschichten zu erzählen und Markenfans zu binden. Das Credo lautet hier: Wenn Sie auf Social Media Plattformen noch kein Storytelling machen, wird es Zeit!

Geben Sie Ihren Kunden ein Mitspracherecht. Mini’s NOT NORMAL Kampagne ist ein gutes Beispiel dafür, wie man mit seiner Crowd interagiert. Und was es benötigt, um den richtigen Riecher für seine Zielgruppe zu haben: https://www.youtube.com/watch?v=e5bEB0tmMQI. Mein zweijähriger Sohn kann gerade mal geschätzte 50 Wörter sprechen, aber sein zweites Wort war ‚tütüt’ und die erste Automarke, die er auf der Straße erkannte, ein (im O-Ton):‚Miniiii!’. Interaktive Kampagnen mit sozialen Komponenten, und zwar nicht nur eine, die alle heiligen drei Zeiten entworfen wird – wie es Mini vorbildhaft seit Jahrzehnten macht – bindet Kunden an die Marke und lässt sie zu Markenbotschaftern werden.

Ermöglichen Sie eine Zwei-Weg-Kommunikation mit Ihren Konsumenten. Als Unternehmer und markenverantwortlicher Stratege gilt es Fragen zu stellen, Anfragen zu beantworten und Themen anzusprechen, die ungemütlich sind. Heutzutage bedeutet Kommunikation eine ständige Auseinandersetzung mit seiner Zielgruppe einzugehen. Das kann spannend sein und Ihnen als Unternehmer die Augen öffnen.

Was braucht Content Marketing also im Detail?

• Eine klare Zielformulierung,

• eine Content-Strategie im Vorfeld, die Ziele und Botschaften beinhaltet,

• regelmäßige Verbreitung des Content auf unterschiedlichen Kanälen,

• mobile-freundlicher Content,

• kreative Ideen,

• und das Knowhow, um das Geplante umsetzen zu können.

So schreiben Sie Ihre Story für Ihr Unternehmen.

1. Einfach: Schreiben Sie so, wie Sie sprechen. Wenig Nebensätze oder Substantivierungen, Fremdwörter und Passiv meiden. Besser: viele Hauptsätze, Verben, Zitate und aktive Sprache.

2. Prägnant: Konzentrieren Sie sich auf das Wichtigste, denn kurze Geschichten prägen sich besser ein.

3. Emotional: Zeigen Sie dem Leser, dass er betroffen ist! Erklären Sie ihm alles, was relevant ist.

4. Happy: Unterhalten Sie die Leser! Spannende, skurrile, witzige und ironische Storys lockern auf. Menschen bevorzugen positive Geschichten.

5. Bold: Haben Sie Mut zur eigenen Meinung. Leser suchen Beiträge zur Orientierung. Schreiben Sie Beiträge, die ihm helfen, die Lage zu beurteilen.

6. Polarisierend: Spitzen Sie das Problem zu, um den Konflikt verdeutlichen. Machen Sie den Leser neugierig auf das Problem. Aufgabe von Storys ist nicht, Konflikte zu beheben, sondern sie verständlich darzustellen.

7. Lebendig: Beschreiben Sie es so anschaulich, als würden Sie es einem Kind erzählen. Der Leser muss sich lebhaft die Situation vorstellen können. Setzen Sie Zitate und Gesten ein. Beschreiben Sie Aussehen und Handlungen, damit Ihre Geschichte unter die Haut gehen. Verfolgen Sie eine Dramaturgie mit Höhlen und Tiefen.

Aus der VGN Studie „Content Marketing in österreichischen Unternehmen“, die von der Verlagsgruppe News GmbH in Auftrag gegeben wurde, heißt es: „Storytelling wird als Inbegriff des Content Marketing gesehen, weil es einen roten Faden vorgibt. Es sind eine Vielzahl von Geschichten, die zu einer Marken-Ideologie. Leute lieben Geschichten, wollen unterhalten werden, da ist Content, der immer wieder eine Story liefert, etwas gerne konsumiertes (Weitzl). Für die Umsetzung von Content Marketing werden Themensettings, Kernthemen und konkrete Themen ausgewählt, Redaktionspläne erstellt und Felder definiert, um die herum Geschichten erzählt und Services angeboten werden. In täglichen Besprechungen werden die anstehenden Themen abgestimmt und je nach Kommunikationskanal und Ziel-/Interessensgruppen unterschiedlich aufbereitet. Für Themen mit niedrigem Involvement kommt Content Marketing und Storytelling aus Sicht der Unternehmen besondere Bedeutung zu. Ziel ist es, die Content Produktion gesamthaft zu steuern. Die größte Herausforderung ist dabei, den Content zu finden und zu sammeln. Den Informationstransfer von den MitarbeiterInnen (als Informationslieferanten) zum internen Redaktionsbüro zu schaffen ist aber nicht immer leicht. Die ExpertInnen oder Key-AnsprechpartnerInnen in den Unternehmen werden zu Themen gesondert angesprochen, um das Spezialwissen des Unternehmens zu mobilisieren. Die professionelle Aufbereitung der Informationen erfolgt anschließend durch eigene MitarbeiterInnen, teilweise wird diese Tätigkeit aber auch ausgelagert.“

Wir befinden uns in der Ära des Storytelling, in der – um Duke Ellington’s Theorie über Musik zu bemühen – es „entweder gutes gibt oder nicht“. Der weltweite Erfolg der ‚Ice Bucket Challenge’ basierte auf dieser These. Die Verbraucher warfen einen Kübel mit Eis und eiskaltem Wasser über sich und posteten ein Video auf sozialen Netzwerken, um Bekanntheit für die ALS Hilfsorganisation und Bewusstsein für die Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose zu erregen sowie Geld für die Erforschung eines Heilmittels zu spenden. Die Teilnehmer der Ice Bucket Challenge erzählten ihren Freunden davon, oft nominierten sie diese auch, das Gleiche zu tun.

Die ALS Foundation erhielt viel finanzielle Unterstützung und Aufmerksamkeit durch die Story, die wie ein Lauffeuer um den Erdball raste; Worum es aber primär ging, war der Content, der von den Leuten gemacht wurde, die teilnahmen. Was sie durch ihr ‚sharing’ vermittelten, war: ‚Ich habe mitgemacht und Du solltest das auch tun.’Gute Content Marketing Ideen drehen sich genau um diese Dynamik. Über die Plattform www.greetzly.com kann man sich von Promis personalisierte Grußbotschaften schicken lassen, für die man bezahlt, deren Honorar vom Promi dann aber in Charities, wie SOS Kinderdorf oder der Life Ball Aids Foundation zurückfließt.

Damit Content Marketing also nicht nur das Marketing Buzzword du jour des Jahres 2016 wird, braucht es gute Geschichtenerzähler. Vielleicht sind auch Sie einer – Sie wissen es vielleicht nur noch nicht.

Links zum Nachlesen:

• Lutz Frühbrodt und Annette Floren (Co-Autorin): Content Marketing – Wie „Unternehmensjournalisten“ die öffentliche Meinung beeinflussen. Eine Studie der Otto-Brenner-Stiftung, Frankfurt am Main 2016, online verfügbar.

www.wds7.at/2015/04/3-storytelling-beispiele-und-wie-man-gute-geschichten-erzaehlt/

www.cash-online.de/berater/2015/story-telling/246999

• “Content Marketing – Werbung durch die Hintertür?”, deutschlandfunk.de Jan Schilling, 18.06.2016

werbeplanung.at/news/marketing/content-marketing-best-practices/239.181

• https://www.salesforce.com/blog/2015/12/30-genius-content-marketing-examples-2015.html

www.content-marketing.com/mit-storytelling-markenidentitaet-schaffen-sieben-archetypen-fuer-erfolgreiches-content-marketing/

 


Innovative Wirtschaftsförderungsmodelle

Ein Beitrag von Daniela Krautsack, MBA, Urban Branding Expertin und Trendforscherin (Wien) im Auftrag und mit Genehmigung von STADTMARKETING AUSTRIA

 

Innovative Wirtschaftsförderungsmodelle, die auf Nachhaltigkeit und Kooperation treffen

Das rot-grüne Regierungsübereinkommen 2015 trägt folgenden Titel: „Wien hat Chancen: Jobs mit Zukunft, Wirtschaft mit Verantwortung.“ Hört sich vielversprechend an, vor allem, wenn die Politik und Entscheidungsträger aus der Wirtschaft halten wollen, was beim letzten Pioneers Festival, der bekannten Konferenz für Jung-Unternehmer und Möchte-Gern-Start-Ups im Mai 2015 auf der Bühne gen Publikum versprochen wurde. Mit “Innovatives Wien 2020″ hat der Wiener Gemeinderat eine zukunftsweisende Innovationsstrategie beschlossen, an deren Zielen und Handlungsfeldern in den kommenden Jahren gearbeitet wird. Wien will alle Handlungsfelder für eine soziale und ökologisch nachhaltige Stadt nützen. Man will Herrn Wiener und Frau Wienerin zur digitalen Revolution einladen, die – so es ambitionierte Unternehmerinnen, wie bringt traditionelle Geschäftsmodelle immer mehr unter Druck und zerreißt alte Wertschöpfungsketten.

Gutes tun und damit Geld verdienen, das ist das Motto eines neuen und für die Förderlandschaft Europas recht unkonventionellen Wettbewerbs. Zu Konzepten rund um den globalen Wirtschaftstrend “Social Entrepreneurship” lud die Wirtschaftsagentur Wien Unternehmen aus der Kreativwirtschaft ein und unterstützt Projekte finanziell, die auf unternehmerischem Weg nachhaltige Lösungen für soziale, ökologische und gesellschaftliche Problemstellungen bieten.

Doch halt – sind das nur schöne Worte oder ist soziales und nachhaltiges Unternehmertum tatsächlich mit wirtschaftlichem Erfolg in Einklang zu bringen? In eine bessere gesellschaftliche Zukunft zu investieren, kann einer Stadt und ihrer Wirtschaft nur guttun, meint die Ausschreibung der Wirtschaftsagentur. Erinnert mich an das gallische Verhalten der Schweden, die im globalen Setting mächtiger Klimasünder brav jede kleine Kaffeekapsel ordnungsgemäß zum Recycling bringen. Da identifiziert sich eine Nation mit einer Idee, einer Zukunftsvision und beschäftigt sich nicht mit der Kalkulation, ob die Anstrengungen weniger im Angesicht luft- und wasserverpestender Riesennationen überhaupt was bringt.

 

Nachhaltige Erfolgsgeschichten

Der Trend hin zu sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit im Unternehmertum macht sich in Wien durch unterschiedliche Projekte immer stärker bemerkbar. Die Wiener Bäckerei Felzl hat mit der Designerin Katharina Dankl einen Brotautomaten entwickelt, der nach Ladenschluss überschüssiges Brot zu einem günstigeren Preis anbietet. Damit werden die Lebensmittel nicht verschwendet.

Wirtschaftsförderungen sind ein wesentliches Element einer wirkungsvollen Standortpolitik. Durch innovative Förderprogramme soll insbesondere die Innovationskraft und die Wettbewerbsfähigkeit von kleinen und mittleren Unternehmen unterstützt werden. Zielgerichtet sind diese Förderungen primär an: Jungunternehmer/innen und bestehende Unternehmen aus den Sparten Industrie, des Dienstleistungssektors, Gewerbe und Handwerk. Was soll durch die Programme erzielt werden: Einerseits die Errichtung von neuen Betrieben resp. die Modernisierung und Erweiterung von bestehenden und die Schaffung von Dienstleistungsinnovationen, immer öfter mit der Auflage, zum Gemeinwohl beizutragen.

Wer bestimmt denn, was der Gemeinschaft wohl tut? Internationale Best Practice Beispiele zeigen, dass mit dem nötigen Engagement und Know-how von BürgerInnen auch komplexe und kontroverse Grundsatzfragen diskutiert und mitentschieden werden können. Als gutes Beispiel hierfür kann die Arbeit der Organisation AmericaSpeaks dienen. In über 50 Großveranstaltungen mit mehr als 130.000 TeilnehmerInnen wurden umfangreiche Erfahrungen gesammelt und weltweit einzigartige Methoden zur Entscheidungsfindung mit großen Gruppen erarbeitet.

Sowohl hinsichtlich der Rekrutierung von TeilnehmerInnen, dem Zutrauen in die BürgerInnen, der exzellenten Aufbereitung inhaltlicher Grundlagen, der Transparenz der Entscheidungsfindung und der Fähigkeit, mit großen Gruppen klare Empfehlungen zu erarbeiten, kann man von AmericaSpeaks viel lernen. Österreichs vergleichsweise schwache „Partizipationskultur“ ist noch geprägt von den Auswirkungen des Josephinismus („Alles für das Volk; nichts durch das Volk“) und der Konkordanz-Demokratie/Korporatismus (hoher Stellenwert und Institutionalisierungsgrad der organisierten Interessenvertretung, die Bürgerbe- teiligung potenziell als Konkurrenz erlebt). Was Österreich jetzt braucht, ist die Einstellung: Alles kann sich ändern und wer Änderung möchte, muss sich dafür einsetzen.

Mag. Roland Murauer von CIMA Austria meint dazu im Interview-Gespräch: „All diese Modelle zur Beteiligung von BürgerInnen, Modelle zur Finanzierung, wie Crowdfunding oder Modelle der Gemeinwohlökonomie – das sind populäre Schlagwörter, die in der direkten Bedeutung bisher kaum einen Niederschlag in Österreich gefunden haben. Sicher ist, dass Stadtmarketing den Gedanken der Gemeinwohlökonomie als Kern in sich trägt. Diese Begriffe finden ihre Anwendung eher in England und den USA. Wir haben uns für Ried im Innkreis eine kreative Wirtschaftsförderung aus Sacramento abgeschaut. Wir loben einen Wettbewerb aus, für den wir UnternehmensgründerInnen und JungunternehmerInnen aus dem Handel, der Gastronomie und Dienstleistungsbranche einladen. Die besten drei Business Pläne werden gefördert. Wir haben das so formuliert: „Ihr bekommt eine Fläche mietfrei zur Verfügung gestellt, einen Business Angel an Eure Seite, der Euch bei allen Schritten begleitet, und das Stadtmarketing schnürt Euch ein Werbe- und Marketingpaket. Eine interdisziplinär zusammengesetzte Jury bewertet Eure Konzepte. Wir kooperieren mit einer Bank und Medienpartnern vor Ort. Ab März 2016 startet dieses Experiment. Wir sind gespannt.“

Hier der Link zum Wirtschaftsförderungsprogramm „Calling All Dreamers“ aus Sacramento:http://downtownsac.org/start-a-business/dreamers-welcome/calling-all-dreamers-contest/meet-heather-wong-allspicery-owner/

„It’s fantastic to own your own business. To run a successful business, the dream is the most important thing. You have to believe in it.“ sagt eine von Sacramento’s Geschäftsinhaberinnen. Möge also der Geist des ‚American Dream’ nicht nur die vielen potentiellen JungunternehmerInnen in Österreich, sondern auch die VertreterInnen der politischen Landschaft, die sich um das Niederbrechen bürokratischer Hürden bemühen mögen, bald flächendeckend spürbar werden.

Dreamers aus Sacramento:

https://www.youtube.com/watch?v=r__hz7WbQE0

https://www.youtube.com/watch?time_continue=55&v=2wEkSNrjAO4

Quellen:

issuu.com/departure/docs/departure_white_paper_social_entrep

• Best Practice kommunaler Bürgerbeteiligung – Nonno Breuss (RFG 2014/30)

• https://wirtschaftsagentur.at/foerderungen/programme/call-social-entrepreneurship-47/

• https://www.wien.gv.at/politik/strategien-konzepte/regierungsuebereinkommen-2015/


UNTERNEHMERISCHE INNOVATION

Ein Beitrag von Daniela Krautsack, MBA, Urban Branding Expertin und Trendforscherin (Wien) im Auftrag und mit Genehmigung von STADTMARKETING AUSTRIA:

Zum Thema ‚Unternehmerische Innovation‘ einen Blog zu schreiben, hat mich vor größere Herausforderungen gestellt, als ursprünglich angenommen. Es ist die unglaubliche Fülle an Daten, Meinungen und Ideen zu diesem Thema, die erst sortiert, selektiert und sorgfältig zusammengefügt werden mussten. Ich glaube mit großer Überzeugung daran, dass unternehmerische Innovation kein in die Wiege gelegtes Talent ist, sondern nur durch Inspiration, ein gutes Gespür für neue Entwicklungen, das richtige Lernen und die Chance, sich auszuprobieren florieren kann.

Meine Begeisterung für Innovation fand ich, soweit ich zurückdenken kann, auf meinen Reisen um die Welt. Oder in Gesprächen mit Menschen, die aus der weiten Welt oder spannenden Entwicklungen erzählten. Oder in den Kursen und Studien, die meine Neugier mein ganzes Erwachsenenleben über am Köcheln gehalten haben. Jeder hat die Möglichkeit, Mutiges im Kopf zu fabrizieren, aber man muss schon ein Kämpfer sein, um Innovation auf die Welt zu bringen. Wer sich schnell einschüchtern lässt, hat genauso wenig Erfolg wie jemand, der nicht hartnäckig genug seine Idee, seine Erfindung oder seinen Prototypen immer wieder vorstellt und verteidigt.

Jährlich werden am Media Lab des MIT (Massachusetts Institute of Technology), auf das ich seit meiner frühen Jugend mit Sehnsucht blicke, rund 800 neue Erfindungen vorgestellt. Als ich 2010 den damaligen Media Lab Studenten Daniel Leithinger, österreichischer Hagenberg-Absolvent und inzwischen innovativer Unternehmer von Lumii kennenlernte, wurde ich in den 3 Jahren, in denen er mich immer wieder ins Media Lab schleuste und mir innovative Entwicklungen zeigte, Zeuge davon, dass diese am Ende des Jahres, nach der jährlichen Vorstellungsrunde bei den Sponsoren, in den aufklappbaren Böden des alten Unigebäudes aufbewahrt wurden und nach einiger Zeit entweder im Mülleimer oder in irgendeiner Studentenunterkunft landeten. 20 bis 30 Start-ups gehen aus der Innovationsschmiede am MIT hervor, die Nicholas Negroponte vor 30 Jahren in Cambridge gründete. Das MIT Media Lab zieht unangepasste Leute an und lässt verlauten: „wir suchen die Rebellen.” Damit ermutigt man junge Leute, anders zu denken und Hindernisse, die sich ihnen in den Weg stellen, zu überwinden.

Copyright: Daniel Leithinger / MIT Tangible Media Group

Was wir über unternehmerische Innovation noch vom MIT lernen können, ist eine ‚Kultur‘, die vom spielerischen Umgang mit Fragestellungen geprägt ist. Die Devise lautet: Das Spielen zu lernen und auch aus dem Spielen zu lernen (“Learning to Play, Playing to Learn”). Im Vordergrund steht nicht die Lösung von Problemen, sondern das spielerische Erkunden von Lösungsmöglichkeiten. Man nimmt die Macht der Innovation, die in den Händen der am Markt besonders begehrten Studenten liegt, zwar ernst, aber Geldverdienen stand bei keinem meiner Gespräche mit den wissbegierigen Intellektuellen im Vordergrund. Es braucht also zuerst die leidenschaftliche Begeisterung, um später auch monetär erfolgreich zu sein.

Was man von Elite-Unis und deren innovativen Zugang auch als Unternehmer lernen kann, ist die fächerübergreifenden Zusammenarbeit der Forscher. Wissenschaftler brauchen heute gute Software-Entwickler, sonst könnte man die Menge an Daten nicht bewältigen, Kommunikationsstrategen brauchen Grafik-Designer, die ihre Ideen visualisieren und Stadtentwickler brauchen Architekten, die das Auge für Form und Funktionalität haben. Nicht nur an US-Universitäten, sondern auch an heimischen akademischen Institutionen, wie der FH Wiener Neustadt werden Studenten und Forscher seit Jahrzehnten angehalten, Firmen zu gründen. Mit speziellen Kursen, Zugang zu Wagniskapital und einer offenen Kultur wird versucht, den Unternehmergeist zu fördern. Das geht zwar nicht immer gut, aber angehende Jungunternehmer sollen auch aus ihren Fehlversuchen lernen. Wenn ein Fünfjähriger einen Turm baut und der fällt zusammen, dann macht er weiter, auch wenn der Turm 20 Mal umfällt, lese ich in einem Interview über die ‚Notwendigkeit des Scheiterns‘.

Innovation, also die Anwendung von neuem Wissen, ist stets mit Risiken verbunden. Apple etwa ist mit einem frühen Vorgänger des iPad, dem Apple Newton gescheitert. Der Apple Newton war eine Produktreihe, die 1993 vorgestellt und deren Produktion 1998 bei der Neustrukturierung von Apple Computer unter Steve Jobs als CEO bei Apple eingestellt wurde. Eine Wiederbelebung erfuhr das PDA-Konzept bei Apple durch die Präsentation des iPhone 2007 sowie des iPad 2010 mit den Unterschieden, dass diese nicht mit einem Stift, sondern nur mit den Fingern über einen Touchscreen zu bedienen sind, und dass es dort keine Handschrifterkennung, sondern eine angezeigte Tastatur gibt. Für das iPad und seine bedienerfreundliche Nutzung waren die Konsumenten der 90er Jahre einfach noch nicht bereit. Misserfolge können also verschiedene Gründe haben; von persönlichen Streitereien und unbeeinflussbaren Marktfaktoren bis hin zu mangelndem Verständnis für Trendvorhersagen oder einfach schlichtem Pech. Je mehr Fachhochschulen und Universitäten Studenten zu verstehen geben, dass man manchmal scheitern muss, um danach ein erfolgreicher Unternehmer zu werden, wird flexibel bleiben und im Notfall bereit sein, nicht nur die Richtung zu ändern sondern ein Projekt auch ganz aufzugeben. Das Lernen aus Fehlern sollte auch an unseren Akademien zur obersten Maxime erklärt werden.

„Welche Methoden und Kreativtechniken verhelfen heutzutage zu unternehmerischer Innovation?“ frage ich in einem Interview die Campus- & Studiengangsleiterin der FH Wiener Neustadt, Dr. Astin Malschinger. Sie sagt: „Open Innovation und Crowdsourcing würde ich spontan auf die Frage nach der Methode und Empathic Design sowie Design Thinking für Kreativitätstechniken nennen.“

Open Innovation öffnet Innovationsprozesse für andere Stakeholder und integriert auf der einen Seite externes Wissens in den Innovationsprozess, d.h. das Know-How der Lieferanten, Kunden und externer Partner (z. B. Universitäten) soll genutzt werden, um die Qualität und Geschwindigkeit des Innovationsprozesses zu erhöhen und anderseits soll internes Wissen ‚externalisiert‘ werden, d.h. z.B. Lizenzgebühren für Innovationen einzunehmen, die für die operative Geschäftstätigkeit nicht genutzt werden. Crowdsourcing wird immer öfter in die Neuproduktentwicklung miteinbezogen. Es handelt sich hierbei um Internetnutzer, die über eine virtuelle Plattform von einer Aufgabenstellung erfahren, diese bearbeiten und damit für das auftraggebende Unternehmen interaktiv Wert schaffen.

Wie im letzten Harvard Business Manager zu lesen war, sind wirkliche Meister der Design Thinking Denkweise noch Mangelware. Für Apple, das wertvollste Unternehmen auf unserem Globus, steht Design im Mittelpunkt jeder Tätigkeit. Designer gehören zu den Gründungsmitgliedern vieler Start-Ups. Gesundheitswesen, Bildungsbereich und öffentlicher Dienst haben begonnen, mit Prototypen zu arbeiten, schrittweise ihre Ideen zu verbessen und ihre Projekte schneller und mit starker Kundenorientierung zu entwickeln. Das Ende der 90er Jahre unter anderem von der Designagentur Ideo entwickelte Innovationskonzept Design Thinking ist nämlich ‚human-centered‘, also am Menschen orientiert; Es verbreitet sich weltweit und wird inzwischen sogar zum Gestalten von Organisationen und Geschäftsmodellen eingesetzt. Die Methode ist für die ständige Jagd nach unvorhergesehener Innovation gedacht.

Es gibt eine Menge Ressourcen, auf die Manager heute beim Kennenlernen der Design Thinking Methodik zurückgreifen können: Online-Universitäten, wie Udacity und Khan Acadamy, Kurse an der Ideo Universität und eine post-graduate Ausbildung, die ich 2013 – 2014 an der THNK Amsterdam School of Creative Leadership, die von McKinsey Managern gegründet wurde, absolviert habe. Wenn Sie Teamprozesse mögen und ein Mensch mit einem sogenannten T-Profil sind, eignen Sie sich besonders für Design Thinking. Beim T steht der vertikale Balken für Expertenwissen und Spezialisierung und der horizontale Balken für Offenheit und die Neugier gegenüber anderen Menschen, neuen Disziplinen und Denkweisen.

„Wie ‚funktioniert‘ eigentlich Produktentwicklung, Dr. Malschinger? In der Fachhochschule Wr. Neustadt wird Innovationsmanagement und Produktdesign großen Stellenwert zugemessen.“ Malschinger antwortet: „Es sind 6 Schritte:

1. Recherche am Markt/ Umfeldanalyse

2. Trendanalyse entwickeln

3. Anforderungen an den Benefit des Produktes/an sein Umfeld bestimmen

4. Prototyp herstellen

5. Prototyp testen

6. Prozess (Produkt) fertigstellen.

Wir ermitteln ungenutzte Innovationspotentiale, entwickeln Ideen zu Konzepten und diese zu marktreifen Produkten. Zudem erarbeiten wir mit unseren Auftraggebern in unserem Ideen-Studio, Concept-Lab, Food Development Lab, 3D-Prototyping Lab, Sensorik Lab und Studio für Empathic Design Lab Innovationsstrategien und Innovationsprozesse. Marktforschung hat bei der Produktentwicklung übrigens eine große Bedeutung. Wir haben einen ganzen Studiengang dafür entwickelt, der ‚Consumer Affairs‘ heißt und Mafo für Konzepttests, Produkttest und rund um Zielgruppen durchführt. Ich möchte aber betonen, dass wir durch Mafo keine Garantie haben zu wissen, welche Innovation sich durchsetzen wird oder nicht.“

Die Impulse für innovatives Denken und Agieren beziehen Unternehmen nicht nur durch regelmäßige Weiterbildung und Kollaboration mit externen Experten, immer mehr Großkonzerne bieten ihren Mitarbeitern ‚Denkzeit‘ innerhalb ihrer Arbeitszeit, um ihre Kreativität entfalten zu können. Das kann ein Prozentsatz der vereinbarten Arbeitszeit sein oder auch kuratiertes Entdecken und Erkennen von frühen Strömungen, wie das Trend Safaris im öffentlichen Raum bieten. Um Trends zu erkennen, das innerhalb von Unternehmen in die Entwicklung neuer Produkte führen kann, braucht man Gefühl, Instinkt und eine schnelle sowie emotionale Auffassungsgabe. Man scannt die gesellschaftlichen Oberflächen. Man sucht nach frühen Anzeichen für Trends und nach wiederkehrenden Mustern in Botschaften, die man auf Wänden, Stickern und anderen ambientalen Medienformen sieht. Trends muss man nicht voraussagen. Es sind Veränderungen, die man nicht prognostizieren, aber identifizieren können muss. Dazu gehört das Monitoring bestimmter Zeichen, das Scanning bestimmter Medien und vor allem das Benennen des Trends – und erst das macht den Trend sichtbar. Wenn es für ein Phänomen einen Begriff gibt, kann man auch darüber sprechen. Wir lernen durch diese Begriffe, die Welt von heute besser zu verstehen, um auf das Morgen vorbereitet zu sein. Die Aufgabe der Trendforschung ist auch eine Übersetzungsleistung – von gesellschaftlichen Strömungen in Wachstumspotenziale in der Wirtschaft.

Vor einigen Tagen habe ich eine Gruppe von Produktentwicklern und Innovationsmanagern durch 4 Wiener Bezirke geführt, um das Erkennen von zeitgenössischen Strömungen zu üben. Der vierstündige Rundgang führte die Teilnehmer quer durch neuartige Shop Konzepte und bot, vor allem durch den interessanten Einblick hinter die Kulissen der Geschäfte eine tiefgehende Auseinandersetzung mit Megatrend-Themen. Das besondere Augenmerk der Trend Safari liegt generell auf ganzheitlichen Entwicklungen und folgenden Fragestellungen: Von welchen kreativen Einflüssen bin ich umgeben und wie kann ich lernen, diese zu ‚lesen‘? Wie übersetze ich diese aktuellen Strömungen in Entwicklungsmöglichkeiten im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit? Und wie kann ich dadurch das Leben in der Stadt nachhaltig beeinflussen? Es werden innovative Orte zu unterschiedlichen Lebensbereichen besucht, wie beispielsweise Food, Fashion, Architektur und Kunst.

Unsere Tour führte uns in die Welt der Sinne bei Supersense in der Praterstrasse und zeigte bei Gabarage in der Schleifmühlgasse, dass der Lebenszyklus eines Produktes nicht in der Müllverbrennungsanlage enden muss. Einige Häuser weiter luden pensionierte Omis auf selbstgebackenen Kuchen und Kakao in der Vollpension ein und zeigten eindrucksvoll, was die Silver Society noch im Köcher hat. Generation Y – warm anziehen, denn diese Golden Girls haben viel Elan, Erfahrung und ein breites Lächeln am Gesicht. Street Art vom feinsten begleitete uns beim Spaziergang vom 4. in den 6. Bezirk und hinein in das Atelier und Café Rabbit Eye Movement des österreichischen Street Artist Nychos. Danach wurden die Ladies beim Besuch von Thomas Gillers Studio in der Stumpergasse sichtbar schwach, denn das Gesamtkonzept des Wiener Barbiers lautet Sinneserlebnis 360 Grad. Das Rasiermenü ‚Made in Italy‘ wird mit exklusivem Grappa aus Treviso und ‚Made in Scotland‘mit einem Bourbon serviert. Letzterer wurde ausnahmsweise auch den weiblichen Teilnehmern des Trendwalks serviert, da es beim Barbier ‚men only‘ heißt. Letzter Stopp war der entzückende DIY – Fashion Nähshop von Madame Kury in der Kaiserstraße, die eine stundenweise Vermietung von Nähmaschinen und Consulting vom Aussuchen des Stoffes, Anlegen des Schnittmusters und Fertigstellen des gewünschten selbstgenähten Kleidungsstücks bietet.

Die Teilnehmer wurden gebeten, Fotos von Orten, Objekten und Formen zu machen, die sie am meisten begeisterten. Werden diese Safaris regelmäßig gemacht, ergeben sich Muster. Hier einige der Teilnehmer-Fotos, die im Anschluss analysiert wurden. Die Trend Safaris finden auf Anfrage unter dok@citiesnext.at statt.

Wer mehr zum Thema erfahren will – das sind interessante Quellen für eine vertiefende Recherche:

• Clayton M. Christensen (Havard Business School )

• Eric von Hippel (MIT Sloane School of Management)

• IDEO https://www.ideo.com/


Barrierefreie Zukunft

Die Österreichische Bundesverfassung schreibt vor, dass niemand aufgrund seiner Behinderung benachteiligt werden darf. Damit soll Menschen mit Behinderungen eine gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft ermöglicht werden.
UnternehmerInnen sind aufgrund des Bundes-Behindertengleichstellungsgesetzes verpflichtet dafür Sorge zu tragen, dass alle für den Kundenverkehr bestimmten Bereiche bis spätestens 31.12.2015 barrierefrei sind.

Alle Details und Online-Selbstcheck unter https://www.wko.at/ktn/barrierefrei

[Veröffentlicht am 28.10.2015]


Registrierkassenpflicht ab 1.1.2016

Ab dem 1.1.2016 gelten für Unternehmen neue steuerrechtliche Bestimmungen. Dies betrifft alle Branchenzweige und es besteht großer Informationsbedarf.  

Denn: Unternehmen haben zur Einzelerfassung der Barumsätze zwingend ein elektronisches Aufzeichnungssystem (Registrierkasse) zu verwenden, wenn
• der Jahresumsatz je Betrieb € 15.000,-- und
• die Barumsätze dieses Betriebes € 7.500,-- im Jahr überschreiten

 Wir haben dazu 2 nützliche Links:

Alle Informationen und Veranstaltungen rund ums Thema unter www.wko.at/registrierkassen und weitere Details unter http://tinyurl.com/nz5c7qe

[Veröffentlicht am 28.10.2015]


Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Stadtmarketing Austria. Textcopyright: Ein Beitrag von Daniela Krautsack, MBA, Urban Branding Expertin und Trendforscherin (Wien)
Veröffentlichung am 13. August 2015

Wie sieht wohl ein typischer Tag im Leben meines derzeit 12jährigen Patensohnes im Jahre 2030 aus? Welche Erwartungen wird er – als ‚Digital Native‘ tituliert – an die Infrastruktur in seinem Wohn-, Arbeits- und Freizeitraum haben und in welcher Konsumwelt wird er manövrieren? Zukunftsszenarien, die Google CEO Eric Schmidt in seinem Buch „The new digital age„ beschreibt, lesen sich wie eine ‚how to’ Gebrauchsanweisung für die Start-Up Szene der Millenials-Generation: „Bevor Sie am Morgen die Wohnung verlassen, erinnert Sie Ihr Smartphone, ein Geschenk für den bevorstehenden Geburtstag Ihres Neffen zu kaufen. Sie scannen das System nach Geschenkideen, die aus anonym aggregierten Daten für andere Buben in seinem Alter gekauft wurden, doch leider finden sie keinen passenden Vorschlag darunter. Da erinnern Sie sich an eine Geschichte, über die seine Eltern, beide schon an die 50, herzlich lachten. Ihr Neffe hatte einen Verweis auf die alte Ausrede in der Schule ‚der Hund hat meine Hausübung gefressen‘ nicht verstanden. ‚Wie soll ein Hund sein Speicher-Laufwerk in der Datencloud fressen? ‘, fragte er sich. Sie tippen rasch ‚Roboterhund‘ in Ihre Suchmaschine und kaufen den neuen Gefährten für Ihren Neffen mit einem Klick. Für die automatisch generierte Geburtstagskarte, die in Ihrer Handschrift verfasst wird, diktieren Sie den Text: „Für alle Fälle.“ Das neue Haustier erreicht das Haus Ihrer Schwester noch am selben Tag.

Wer regelmäßig die Linzer Ars Electronica besucht, hat schon vor Jahren Bekanntschaft mit denkenden Kühlschränken, Robo-Haushaltsgehilfen und multifunktionalen Holographie-Schreibtischen gemacht. Die finanzstarke Konsumentenschicht der technologie-affinen ‚early adopters’ lebt auch jetzt schon im ‚smart home’ und schicke leuchtende Designgegenstände im Miniformat sind lange mehr keinen Prototypen universitärer Forschungseinrichtungen. Über Crowdfunding finanziert, starten Studienabgänger heute mit selbstdenkenden Zukunftsgadgets in atemberaubend raschem Tempo ins Unternehmertum.

Wie rasch blühen uns die Erwartungen dieser immer schlaueren Konsumenten, deren Daumen nicht an der Geldbörse sondern immer beharrlicher am Display ihres Smartphones klebt? Auch wenn wir noch keine breiten Ausprägungen der oben erwähnten Tendenzen sehen: Wenn Sie Vertreter des heimischen Einzelhandels sind, sei Ihnen folgendes geraten: Zurücklehnen, zuschauen und abwarten kann sich in unseren Zeiten technologischen Umbruchs keiner leisten. Lesen Sie, lernen Sie, stellen Sie Fragen und dann: handeln! Wenn Sie nicht wissen, wie Sie Ihr Unternehmen modern aufrüsten, holen Sie sich beratende Hilfe von der Wirtschaftskammer und kooperieren Sie mit Experten, die Sie in Fragen technologischer Aufrüstung, zeitgenössischen Designs und unkonventionellen Wegen der Kommunikation unterstützen.

Doch halt! – Wir leben im Hier und Jetzt und wollen über den heutigen Status Quo und „wohin die Reise geht“ sprechen. Im Rahmen meiner monatlichen Interviewserie stellte ich der Wiener Wirtschaftswissenschaftlerin Sandra Holub und zwei erfahrenen Unternehmern – Stefan Erschwendner und Daniel Pannrucker, die beide in Deutschland tätig sind – folgende Fragen:

Welche Fragen stellt der Konsument von heute? Wie reagiert der Einzelhandel darauf? Gibt es schon sichtbare Veränderungen?

Sandra Holub/WU Wien: „Technologische Neuerungen geben KonsumentInnen die Möglichkeit, direkt mit Unternehmen und Herstellern in Kontakt zu treten. Die Art, wie wir kommunizieren ist heute eine grundlegend andere. Spätestens seit dem Web 2.0 kommt es zu einer stark reziproken Beziehung zwischen Handel, Produzenten und den Konsumenten. Bestes Beispiel dafür sind die sehr intensiven Unterhaltungen auf Social Media Seiten. Für die Konsumenten von heute ist es nicht nur besonders zentral ihre Meinung kundtun zu können, sondern auch von den Unternehmen wahr- und ernstgenommen zu werden. Kurzum: der Konsument will beachtet werden, nicht als ein kleines Puzzlestück in einer diffusen Menge, sondern als Individuum. Hier setzt auch ein anderer zentraler Faktor ein: Vertrauen. In den letzten Jahren sind KonsumentInnen laufend mit Skandalen, beispielsweise im Lebensmittelbereich, konfrontiert worden. Natürlich gehen diese Skandale nicht spurlos an den KonsumentInnen vorbei – das Vertrauen verringert sich, Unsicherheit entsteht. Doch: KonsumentInnen wollen vertrauen, sie wollen nicht im Supermarkt stehen und sich fragen wo der nächste Skandal stecken könnte. Diese Sorgen ernst zu nehmen und den Kunden nicht nur ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln, sondern einen Beitrag dazu zu leisten und dies glaubwürdig Tag für Tag zu leben, ist ein wichtiger Prozess, den schon viele Unternehmen und Hersteller in Österreich für sich erkannt haben.

Stefan Erschwendner / LHBS Berlin: „Im generellen verändern die folgenden Bedürfnisse das Konsumentenverhalten: Transparenz bei der Produktion von Waren, Regionalität in Bezug auf die Herkunft der Produkte, Social-Good als Beitrag zum Allgemeinwohl, Sustainability, vor allem beim Thema Umweltverträglichkeit, Personalisierung, d.h. die Anpassung an persönliche Präferenzen und Daten und Omnichannel, d.i. der ‚einfache‘ Waren-Bezug über digitale und physikalische Distribution.

Und Daniel Pannrucker / Leotainment Düsseldorf ergänzt: „ Der Konsument ist so informiert und kritisch wie nie zuvor. Er weiß, wo er welche Leistung und welches Produkt am schnellsten und günstigsten erhält. Er beschwert sich, wechselt den Anbieter und ist auch im Einzelhandel schwer zu packen. Ich glaube es braucht Konzepte, die die soziale Welt mit der realen Welt vernetzen. Es braucht Konzepte, die sich an der Nachfrage und das nahezu in Echtzeit orientieren und Themenshops, die morgens etwas anderes verkaufen als abends. Es braucht neue Raum- und Erlebniskonzepte, die das Einkaufserlebnis wieder neu definieren.

Viele KonsumentInnen stellen sich immer häufiger die Frage: Wenn ich ein Produkt nur wenige Stunden, oder gar nur wenige Minuten im Jahr brauche, wie es zum Beispiel bei einem Akkuschrauber der Fall ist, warum muss ich es dann besitzen? In diesen Fällen setzt oft nachbarschaftliches Teilen, oder auch Sharing, ein. In Wien sind immer häufiger Aufkleber mit unterschiedlichsten Gegenständen (z.B.: Sägen, Gugelhupfformen oder Campinggegenständen) auf Briefkästen zu sehen. Dies ist ursprünglich eine Initiative des Vereins Pumpipumpe. Die Aufkleber zeigen an, welche Gegenstände bei den BesitzerInnen zum Ausleihen zur Verfügung stehen (http://www.pumpipumpe.ch/sticker-bestellen/).

Auch der Lebensmittelbereich ändert sich nachhaltig. Verschiedenste Faktoren (z.B.: Unkenntnis über die Bedeutung von Mindesthaltbarkeitsdaten, XXL-Großpackungen) haben in den letzten Jahren dazu geführt, dass Lebensmittel in großem Maße von privaten Haushalten weggeworfen wurden. Hier hat eine starke Bewusstseinsbildung seitens der KonsumentInnen eingesetzt – viele Initiativen gegen diese Form der privaten Lebensmittelverschwendung haben sich gebildet. Lebensmittel erfahren wieder eine neue Art der Wertschätzung. Die Technologie zeigt uns auch hier wieder neue Potentiale auf: durch digitale Plattformen, wie beispielsweise Foodsharing.at, soll die enorme Menge an weggeworfenen, aber noch verzehrbaren, Lebensmitteln verringert werden. Seit der Einführung dieser Plattform in Deutschland und Österreich wurden 1.931.000 kg Lebensmittel erfolgreich mit anderen Personen geteilt und somit auch vor der Mülltonne „gerettet“. Einige Betriebe haben das Potential erkannt und unterstützen diese Initiativen. So bieten Einzelhändler vereinzelt spezielle Fächer, in welchen nicht benötigte Lebensmittel aus Großpackungen nach dem Einkauf hinterlegt und von anderen KonsumentInnen mitgenommen werden können.

Dennoch ist Verzicht nicht mit Boykott gleichzusetzen. Boykott umfasst nicht nur einfachen Konsumverzicht, sondern ist mit einer starken emotionalen Komponente aufgeladen. Gerade dies kann in online Umgebungen schnell zu den vielfach gefürchteten „Shitstorms“ führen. Diese besondere Form der Kritik weist ein überaus starkes persönliches Involvement der KonsumentInnen auf. Ein aktuelles Beispiel für diese starke emotionale Aufladung ist der Boykott vieler KonsumentInnen von Barilla Produkten.

Was muss angeboten/getan werden, um sich dieser Veränderungen in den Erwartungen der Konsumenten zu stellen und gleichzeitig eine stabile respektive wachsende Wirtschaftslage zu ermöglichen? • Welche Konzepte dazu gibt es weltweit? • Welche innovativen Konzepte dazu schon in Österreich?

Sandra Holub: Für die Entwicklung von passenden Konzepten ist es notwendig einen Schritt zurück zu machen und die Motive der KonsumentInnen zu verstehen. Gerade hier sind Erkenntnisse, welche uns die Forschung im Bereich Consumer Behaviour, Anti-Consumption und KonsumentInnenpsychologie liefern kann, essentiell. Insgesamt geht es bei der nachhaltigen Entwicklung von praktisch anwendbaren Konzepten darum nachvollziehen zu können, wie es zu diesen Veränderungen kommt – worin diese begründet sind. Kurz: Warum verzichten immer mehr Personen auf bestimmte Produkte? Warum nimmt die Wichtigkeit von privatem Besitz ab und was rückt an diese Stelle? Die Forschung kann uns insgesamt dabei helfen, den Stellenwert dieser neuen Konsumphänomene richtig einzuschätzen und Strategien des Umgangs mit Veränderungen aufzuzeigen.

 Stefan Erschwendner: Es ist aber übertrieben, von Konsumverweigerer zu sprechen, da sich auch die Konsumpräferenzen ändern. Unternehmen, die sich nicht an diese neuen Präferenzen anpassen, werden mittelfristig aus dem Markt ausscheiden. Händler müssen sich immer auf die Kundenbedürfnisse anpassen. Whole Foods in Amerika hat sicher einen Einfluss auf den Lebensmittelkauf im Supermarkt. Und Biosupermärkte in Österreich und Deutschland bringen auch traditionelle Supermärkte unter Zugzwang.

Zum Thema Saisonales Shopping, wie z.B. Weihnachtsshopping – hier ist eine zunehmende Ablehnung junger Konsumenten zu verzeichnen – es herrscht eine Reizüberflutung, die im Konsumüberdruss resultiert – man will sich nichts mehr schenken.

• Kann man das Weihnachtsgeschäft, das über die letzten Jahre stets Umsatzsteigerung zeigte, überhaupt noch steigern oder hat es seinen Zenit erreicht?

• Wie beeinflusst der Kommerzfrust der jungen Konsumenten die Kaufkraft im gesamtheitlichen Kontext?

• Gibt es Tendenzen, was sich aus diesem ‚Trend‘ für das klassische Weihnachtsgeschäft entwickeln wird?

• Gibt es analoge Festivitäten anderer Kulturkreise, in denen man so einen Wandel schon erkannt hat? Wenn ja, von welchen innovativen Maßnahmen könnte man hierzulande lernen?

Sandra Holub: Die Frage des anlassbezogenen Shoppings bzw. dem Boykott dieser speziellen Form des Einkaufs, ist wieder sehr eng mit einer emotionalen Komponente verbunden. Gerade Feiertage wie Weihnachten sind eine Zeit, in der persönliche Nähe, Familie und Liebe im Zentrum stehen. Diese besonderen Tage im Jahr, an denen sich unsere hektische Welt etwas langsamer zu drehen scheint, verheißen oft eine kleine Oase der Entschleunigung. Aber in Wirklichkeit sieht dies oft doch ganz anders aus: der von vielen gefürchtete Weihnachtseinkauf. Dieser mutiert bei vielen KonsumentInnen oftmals in das Gegenteil des geplanten und herbeigesehnten Weihnachtsfriedens: an die Stelle der stillen Nacht, drängt sich oft die „Last-Christmas“-Beschallung der Einkaufsstraßen. In Folge dessen kann es natürlich dazu kommen, dass die Tradition des Schenkens in einem anderen Licht gesehen und auch kritisch hinterfragt wird. Dies scheint aber nicht nur ein Phänomen der jüngeren Generationen zu sein, auch Personen welche nicht der Generation Y zuzuordnen sind, verzichten auf das Schenken von gekauften Gegenständen und schenken ihren Liebsten eines der kostbarsten Güter in unserer schnelllebigen Welt: ihre Zeit. Selbst wenn der Kauf von Geschenken nicht verweigert wird, lässt sich ein starker Wandel im Hinblick auf Geschenke und den Kaufprozess dieser wahrnehmen. Die vorher erwähnten Einkaufsstraßen werden in Stoßzeiten häufig gemieden, hier zeigen sich wiederum die Potentiale des ortsungebundenen Einkaufs. Die Möglichkeit bequem von zu Hause in aller Ruhe Geschenke auszusuchen, stellt für viele KonsumentInnen gerade in der Weihnachtszeit eine besonders attraktive Form des Shoppings dar.

Stefan Erschwendner: Die Industrie arbeitet schon an Alternativen für Weihnachten. Der “Black Friday” wird in den letzten Jahren vom Handel und der Wirtschaft extrem gepusht. Zusätzlich kommen auch Konzepte aus Asien nach Europa und Amerika z.B. Alibaba’s “Singles Day”. Weinachten wird weiter an Relevanz verlieren und die Industrie wird mehrere “Weihnachtsfeste” über das Jahr verteilt etablieren. Dies hat natürlich auch Produktions- und Lagerhaltungsvorteile, da gleichmäßiger produziert werden kann und auf keinen “Peak” mehr hingeplant werden muss. Gleichzeitig wollen Konsumenten auch nicht mehr ein ganzes Jahr auf Weihnachten warten – die Menschen werden ungeduldiger.

Daniela Krautsack: Zur Generation Y und Digital Natives: Diese lehnen ‘genfood’ ab, wollen mehr vegan/vegetarisch konsumieren und mit ‚mehr Verzicht‘ leben.

• Welche Veränderungen, Herausforderungen und Chancen ergeben sich daraus für die Wirtschaft in den nächsten Jahrzehnten?

Stefan Erschwendner: Die lokale und regionale Produktion wird immer wichtiger. Unternehmen müssen sich anders (weniger zentral) strukturieren. Grundsätzlich wird aber die Nachfrage nach Produkten durch die wachsende Mittelschicht in den Entwicklungsmärkten weiter steigern.

Sandra Holub: Viele Untersuchungen (u.a. am Institute for Marketing & Consumer Research) haben gezeigt, dass gerade der Trend zur Nachhaltigkeit und bewusstem Konsum generationenübergreifend ist. Der Wunsch nach Produkten aus heimischer und regionaler Produktion tritt in den letzten Jahren verstärkt auf. Das Vertrauen der KonsumentInnen zu Herstellern aus Österreich ist hoch und der Kauf dieser Produkte vermittelt ein gewisses Gefühl der Sicherheit. Für die Wirtschaft ergeben sich in den nächsten Jahren viele neue Entwicklungen, sei es angefangen vom starken Bedürfnis nach Vertrauen, dem Wunsch nach Nachhaltigkeit oder auch durch das Aufkommen neuer, alternativer Konsumkonzepte (wie beispielsweise Sharing oder Access based consumption). In diesen Bereichen ist es vor allem für Traditionsunternehmen besonders ausschlaggebend, glaubwürdig zu bleiben. Eine der größten Gefahren für Unternehmen ist das Fehlen von Glaubwürdigkeit bei der Integration neu aufkommender Bedürfnisse am Markt. Dies kann sich nachhaltig negativ auf das Image von Unternehmen auswirken. Das Schlagwort „Greenwashing“ ist ein besonders gutes Beispiel für die Auswirkungen dieser fehlenden Authentizität. Glaubwürdige und vor allem ehrliche CSR ist nach wie vor ein wichtiges Kommunikationsinstrument. Viele neue KonsumentInnentypen wie ethical, green und anti-consumer suchen nach ehrlichen Produkten. Daher wird die Enttäuschung umso größer, wenn Erwartungen geweckt, aber nicht erfüllt werden. Für nachhaltiges Angebot im Online-Shopping-Bereich, sicherlich nachhaltiger, als Amazon und Co Ihre Services anbieten, tritt das Kiezhaufhaus in Berlin auf. Das Kiezkaufhaus bietet in seinem Onlineshop lokale Produkte – von Lebensmitteln, Delikatessen, Wein, Büchern und Designartikeln bis hin zu Schreibwaren und Kosmetik – an, welche von Pensionisten auf mit Ökostrom geladenen Lasten-E-Bikes am selben Tag der Bestellung zugestellt werden. https://www.kiezkaufhaus.de/

Daniel Pannrucker: Der Trend hin zur veganen/vegetarischen Lebensweise betrifft vielleicht die sehr weit entwickelten Länder, wie UK, Österreich, Deutschland, die Niederlande und die Metropol-Regionen in den Vereinigten Staaten. Weltweit steigt der Fleischkonsum aber massiv an, gerade in den aufstrebenden Schichten in den Schwellenländern. In Indien, wo bisher rund 31 Prozent aller Inder vegetarisch gelebt haben, haben sich viele Menschen seit Beginn des Wirtschaftsbooms einer neuen Bewegung angeschlossen: Sie essen mehr Fleisch. Fleischessen (Non-Veg) ist dort zum Trend geworden, wie in Deutschland der Fleischverzicht. So komisch das auch klingen mag, aber ich glaube, dass ein Verzichtanstieg der Industrienationen zu einem Fleischkonsumanstieg in den Schwellenländern führen wird. Die einen hören also auf, Fleisch zu essen, die anderen fangen gerade damit an und einige Visionäre rösten bereits Insekten, um sich auf die Zukunft ohne methanfurzende Kühe und die dadurch entstehende Klimaveränderung vorzubereiten. Und da wäre dann noch jener Konsument, den wir als Minimalist bezeichnen. So nennt sich der Lebensstil, der gerade immer mehr junge, vor allem internetaffine Menschen anzieht. Sie suchen ihr Glück im Weniger: weniger besitzen, weniger kaufen. Ein überschaubareres Leben, aber auch ein Protest gegen die Konsumgesellschaft, Ausbeutung und das „Geiz-ist-geil“-Syndrom. Zu den Vorreitern dieser Bewegung gehört der US-Amerikaner Michael Kelly Sutton, der in seinem Blog “The Cult of Less” alles auflistet, was er besitzt. 126 Dinge stehen da, vom Flaschenöffner über das Polo-Shirt bis zum Laptop. 12 davon stehen auf “verkaufen”. Der Software-Programmierer versucht, mit so wenigen Dingen wie möglich auszukommen. “Ich habe festgestellt, dass mehr Krempel auch mehr Stress bedeutet”, schreibt er. Der Wachstumskritiker Niko Paech von der Universität Oldenburg nennt das den “Konsum-Burn-Out”. Das Leben sei vollgestopft mit Produkten, beschreibt er. “Es fehlt die Zeit, dies alles so abzuarbeiten, dass es einen spürbaren Nutzen erzeugt.” Nur so könne Konsum auch die Zufriedenheit steigern. In den USA gibt es neben dem Small Business Saturday, der zum Einkaufen aufruft auch einen ‚kauf nix-Tag‘, der in Nordamerika am letzten Freitag und in Europa am letzten Samstag im November begangen wird. Durch einen 24-stündigen Konsumverzicht soll mit dem Buy Nothing Day gegen „ausbeuterische Produktions- und Handelsstrategien internationaler Konzerne und Finanzgruppen“ protestiert werden. Außerdem soll zum Nachdenken über das eigene Konsumverhalten und die weltweiten Auswirkungen angeregt werden. Ein bewusstes, auf Nachhaltigkeit abzielendes Kaufverhalten jedes Einzelnen soll somit gefördert werden. Ist der minimalistische, konsumarme Lebensstil also massentauglich? Das europäische Wirtschaftssystem ist auf Wachstum gepolt. Kritiker sagen, wenn alle Menschen nur das kauften, was sie zum Überleben brauchen, würde es nicht mehr funktionieren. “Unsere Wirtschaft, und insbesondere das Zinseszinssystem, lebt davon, dass wir immer mehr konsumieren”, meint auch der Minimalist Alex Rubenbauer.

Kunst & Kommerz und der Konsument von morgen

Vor dem Hintergrund eines sich verändernden Kaufverhaltens in der Digitalen Moderne, die durch das Internet reale Orte des Handels in Frage stellt, wird gerade im Rahmen der ersten Vienna Biennale, die Kunst, Design und Architektur verbindet, die Zukunft des Einkaufens sowie seiner sozialen und technologischen Auswirkungen in Wien Mitte ‚The Mall‘ erforscht. Schon jetzt wandeln sich Einkaufszentren in die neuen „Marktplätze für Beziehungen“, sagt die Künstlerin Julia Landsiedl und erklärt weiter: „Das Einkaufszentrum mutiert in meiner Vision zur konsumfreien Begegnungszone. Das Einkaufszentrum ist nur einer von vielen Marktplätzen, die wegen ihrer Ausrichtung auf maximalen Konsum ein nicht mehr zeitgemäßes Modell darstellen. Um mit der virtuellen Konkurrenz mithalten zu können, muss ein sozialer Mehrwert geboten werden. Meine Installation lädt zur Beobachtung „aussterbender“ Shopping-Typen und deren Verhalten innerhalb des heutigen Waren-Reviers ein. Video dazu: https://www.youtube.com/watch?v=15P2fNQKs2U

Der Konsument als Produzent

In der Zukunft wird jeder Internet-Nutzer die Fähigkeit – ob er die Lust haben wird, ist eine andere Frage – haben, Dinge zu designen, zu konstruieren und zu fertigen, die ihm besonders am Herzen liegen: Schmuck, Geschirr, Schuhe, neuerdings auch Stoff (siehe die Erfindung der israelischen Designerin Danit Peleg), Möbel oder auch Ersatzteile fürs Auto. Die Globalisierung hat die wirtschaftliche Vereinigung gesehen oder Zusammenfügen der Volkswirtschaften der Welt. 3D-Druck ist das Gegenteil dieses global ausgerichteten Denkens. Das ist eine Idee der Lokalisierung, die mit lokalen Produzenten arbeitet, die an Konsumenten verkaufen, die im selben Grätzl wohnen.

Durch die ständige Reizüberflutung, die notwendige Flexibilität und den ewigen Mangel an „Zeit“ hungern Konsumenten nach Antworten und Support wie selten zuvor. Die Zeit zum Selbsterarbeiten fehlt zunehmend. Aber der Wunsch nach Unterstützung betrifft nicht nur immaterielle Dinge wie die Lebensführung, sondern vermehrt steigt die Sehnsucht nach genereller Effizienzsteigerung im Umgang mit materiellen Gütern. Auch wenn KonsumentInnen der Zukunft gebildet und vorinformiert sind, ihr Anspruch an Beratung durch Hersteller oder Retailer steigt.

Identitätswahrung als höchstes Gut.

Die Grundlagen der Online-Identitäten von Menschen, ergo KonsumentInnen werden sich fundamental ändern. Die Online-Identität in der Zukunft wird nicht nur der Inhalt einer Facebook-Seite sein; Stattdessen wird es eine Konstellation von Profilen sein, von jeder Online-Aktivität des Nutzers; die Daten auf Facebook, Twitter, Skype, Google, Netflix oder ein Zeitungsabonnement – alles wird zu einem “offiziellen Profil” verknüpft. Jeder Bürger wird zwei Identitäten haben, eine virtuelle und eine reale – und die wird das wertvollste Gut für den Bürger respektive Konsumenten in der Zukunft sein. Es wird neue Märkte, neue Unternehmensformen und innovative Service-Anbieter geben. Für Menschen, die ihre virtuelle Identität wahren wollen und für jene, die eine nach Maß erfinden wollen. Wir werden sogar den Aufstieg eines neuen Schwarzmarktes erleben, meinen Experten, auf dem Menschen echte oder erfundene Identitäten kaufen können. Produkt- und Serviceangebote werden auf diese virtuellen Identitäten zugeschnitten werden und beim Flanieren durch die Innenstadt oder das Einkaufszentrum werden diese durch iBeacon oder NFC-Technologie abgerufen werden. Entwicklungen, die für manche von uns beängstigend klingen, werden immer auch positive Aspekte, eine effizientere Lebensweise und eine Vernetzung hin zur sozialen Inklusion und so weiter, bedeuten.

Daher lautet das Motto für unsere Zukunft: mitbestimmen, nicht verstummen.


Von Multi-Channel bis No-Line-Commerce: wie sich die Vertriebs- und Kommunikationsstrategien im Handel technologischen und gesellschaftlichen Veränderungen anpassen (müssen).

Pop-Up Shop Sao Paulo / Copyright: Alan Chu

Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Stadtmarketing Austria.
Textcopyright: DANIELA KRAUTSACK / CITIES NEXT /
Veröffentlichung am 11. Juni. 2015

Wenn wir von Vertriebsstrategie sprechen, lesen wir oft von ‚Multi-Channel‘ und ‚Cross-Channel‘. Immer öfter ist jedoch von Omni-Channel und No-Line-Commerce die Rede. Bei der Verwendung dieser Begriffe ist für die meisten klar, dass es sich dabei um Strategieansätze handelt, über welche Handelskanäle Produkte beworben und angeboten werden. Aber worin liegt genau der Unterschied?

Multi-Channel: Der Multi-Channel Handel ist der gängigste und bekannteste Begriff in der österreichischen Handelslandschaft. Multi-Channel bezeichnet den parallelen Produktvertrieb über mehrere Handelskanäle, wobei die einzelnen Kanäle autark arbeiten und somit völlig getrennt voneinander betrachtet werden. Eine Interaktion findet nicht statt und der Kunden hat damit keine Möglichkeit den Prozess von Produktinformation bis zum Kauf kanalübergreifend durchzuführen. Beispiele von Vertriebs- und Kommunikationskanälen: die ‚face to face‘ im Geschäft, Webseiten-Auftritt, Produktinformation über Screens, Email-Marketing, Newsletter oder die mobile Kommunikation via SMS oder Applikationen.
Cross-Channel: Auch beim Cross-Channel bedient der Händler in der Regel parallel mehrere Vertriebskanäle. Der wesentliche Unterschied, bzw. die Weiterentwicklung zum Multi-Channel, liegt im Brückenschlag zwischen den Kanälen. Konsumenten bekommen beim Cross-Channel auf unterschiedlichen Handelskanälen das gleiche Angebot präsentiert und können dann während des Kaufprozesses zwischen den Vertriebskanälen wechseln. So kann sich dann beispielsweise der Kunde online über ein Produkt informieren und den Kauf offline im Laden durchführen. Für den Handel liegt die Herausforderung in der Bereitstellung von zentralen und konsistenten Daten zu Kunden und Produkten über alle Kanäle hinweg. Technisch und organisatorisch sind die Handelskanäle aber oftmals weiterhin getrennt.
Omni-Channel: Omni-Channel wird oft als Weiterentwicklung des Cross-Channels bezeichnet. Wie der Begriff omni bereits impliziert, geht es in erster Linie um die parallele Nutzung aller Vertriebskanäle. Auch hier findet die Kommunikation und der Verkaufsprozess kanalübergreifend statt, wobei technisch gesehen, die gesamte Datenhaltung in einem zentralen System stattfindet. Somit hat der Käufer Zugriff auf die gesamte Angebotspalette, unabhängig davon, auf welchem Kanal er sich befindet.
No-Line-Commerce: Der No-Line-Commerce ist der jüngste Ansatz und wird auch als die höchste Evolutionsstufe im Mehrkanalvertrieb bezeichnet. Gemeint ist damit die Verschmelzung von online und offline Welten hin zu einem durchgängigen, grenzenlosen und einmaligen Shoppingerlebnis für den Konsumenten. Ziel ist es, dass ein Käufer in Zukunft gar nicht mehr merkt, wo der Einkauf stattfindet, da auf allen Kanälen die identischen Informationen bereitgestellt werden und die Kaufprozesse in gleicher Art und Weise stattfinden. Smart Devices werden im No-Line-Commerce als Bindeglied dienen und einen Kaufprozess zu jeder Zeit und an jedem Ort möglich machen.

Multichannel-Beispiele, die Trends widerspiegeln

Markenbildung mit Pop-Up-Stores:
Sind wir in den ‚Pop-Up-Store‘ Zug schon eingestiegen oder rast er wie ein Güterzug durch unsere Station? In den temporär geöffneten Geschäftsräumen, die entweder in Zwischennutzungsräumen oder vermehrt in Containern entstehen, geht es vielen vor allem um Markenbildung (z.B. Adidas, Nike). Was ist die Herausforderung? Es gilt einerseits für bestehende Unternehmen, ihre Angebotspalette zu erweitern, die Menschen mit dem Unternehmen assoziieren und in den Pop-Up Stores ‚Neues‘ zu präsentieren. Anderseits fungieren Pop-Up Stores zunehmend als Test-Labs für junge Kreative. Pop-Up-Stores helfen bei der Positionierung und Schärfung ihres Angebots. Ein zentrales Verkaufssystem würde Unternehmen hier die Möglichkeit bieten, Menschen lokal zu bedienen. Zum Beispiel: Online übers Produkt Informationen einholen, im Stadtzentrum beim Treffen mit der Freundin anprobieren und im Pop-Up Store um die Ecke die dazu passenden Accessoires kaufen. Alles von einer Marke, alles in der Comfort Zone des Kunden. Hier wirkt, was jahrelang gepredigt wurde. Kontinuierliche Markenpflege schafft Loyalität und generiert Stammkunden.

Auf die Konsumenten hören
Die amerikanische Kaufhaus- und Versandhauskette Nordstrom hat ein internes Innovationslabor geschaffen, um die Vorteile mobiler Kommunikationstechnik mit dem Einkaufserlebnis in einem Geschäft zu verbinden. Indem die Verantwortlichen die Lean-Startup-Methode (das ist ein Ansatz zum Gründen und Managen von Unternehmen, die auf das Feedback von potenziellen Kunden setzen, um ihre Produkte oder Dienstleistungen möglichst schnell an die Marktnachfrage anzupassen) nutzen und mit den Konsumenten zusammenarbeiten - im Geschäft, wenn diese einkaufen - können sie schnell Apps entwickeln, die das Einkaufserlebnis in den Geschäften ergänzen. Dieses Video zeigt, wie Nordstrom eine iPad-App entwickelte, die Kunden hilft, die richtige Sonnenbrille auszuwählen. Vom Prototyp bis zur Fertigstellung der App verging nur eine Woche.

Kluge Ladenkonzepte
Starbucks hat das letzte Jahrzehnt damit verbracht, in die letzten Winkel des Kaffee-Marktes vorzustoßen. Dabei konkurriert das Unternehmen mit der Kette Dunkin'Donuts - zum Beispiel, indem sie kleine Läden innerhalb von größeren Geschäften entwickelten. Starbucks hat nun damit begonnen, wieder große Läden mit einer Menge von komfortablen Sitzgelegenheiten zu schaffen. Es gibt einen derartigen neuen Starbucks direkt am Harvard Square in Cambridge nahe bei der Universität, der gerade erst eröffnet wurde; unten sieht es wie in den traditionellen Läden aus, oben wirkt es mehr wie in eine Bibliothek. Bei den kleineren Geschäften geht es darum, schnell reinzukommen, rasch bedient zu werden und so schnell als möglich wieder rauszugehen. Andere hingegen sind ein geselliger und komfortabler Ort für die Konsumenten. Orte, um Menschen zu treffen, oder in geselliger Atmosphäre mobil am Laptop oder Tablet arbeiten. Geschäftskonzepte erfüllen also verschiedene Aufgaben. Es obliegt Ihrer Entscheidung, welches sich für Ihre Marke, Ihre Produkte, Ihre Zielgruppe und die vielfältigen Rahmenbedingungen, die in Ihrem Markt herrschen am besten eignet.

Bist Du noch Multi- oder schon Omni-Channel?
Aber was ist denn nun ein Omni-Channel? Was heißt das im konkreten? Omni-Channel beschreibt einen Trend bezüglich des Konsumentenverhaltens bei der Nutzung von Vertriebskanälen. Kunden kaufen nicht mehr nur online oder offline sondern nutzen verschiedene Kanäle parallel. Ein Beispiel: Ich informiere mich nicht mehr vor dem Kauf eines Produktes im Internet sondern gleich am Point-of-Sale, also im Geschäft, indem ich mit meinem Smartphone nach relevanten Informationen suche. Das werde ich natürlich nicht machen, wenn ich im Thalia stehe, wo eine kompetente Buchhändlerin vor meiner Nase sitzt, die das Buch selber gelesen hat und mir davon erzählen kann. Aber beim Kauf eines nachhaltigen Produktes, über dessen Herkunft ich mehr erfahren will, tue ich das. Oder beim Kauf von Elektronikgeräten. Der ‚Harvard Business Review‘ hat bereits im März 2012 einen Artikel mit dem Titel „Die neue Kunst zu verkaufen“ veröffentlicht. Hier wird der Trend Omni-Channel aus Sicht der Unternehmen genauer betrachtet. Und wir Konsumenten? Sind wir bereits Omni-Channel-Nutzer? Welchen Einfluss haben wir? Und auf welche Art von Einkaufserlebnis in der Zukunft dürfen wir uns freuen? Die Antwort ist, dass viele von uns bereits Omni-Channel-Nutzer sind. Das bedeutet, dass wir als Konsumenten mehrere Kanäle (bewusst oder unbewusst) gleichzeitig in Anspruch nehmen, während wir einkaufen. Für Unternehmen bedeutet dies, dass sie zur Optimierung nicht nur ihren Onlineshop (re)launchen, sondern diesen auch enger mit ihrem stationären Geschäft verknüpfen müssen. Für Konsumenten heißt das im Idealfall: Flexibilität, Erlebnis und Einfachheit....

Mehr dazu finden Sie hier auch mit bebilderten Beispielen: http://bit.ly/1MkUzlw


Innerstädtische Uferzone - Urbanes Kapital oder trennender Naturraum?

Text: Gerhard Angerer / GF Stadtmarketing Villach GesmbH / Ein Artikel für das Stadtmarketing Austria Trendbook 2015
Veröffentlichung am 30. März 2015

Gewässer sind ein wichtiger Bestandteile des urbanen Lebens, ein Element nachhaltiger Wertschöpfung in der Region, im Tourismus, im Natur- und Umweltschutz oder auch als Wasserstraßen im internationalen Waren- und Güterverkehr. Flüsse sind Anziehungspunkte, Menschen suchen diese Erlebnisräume zur Freizeitgestaltung und Naherholung. Insbesondere die Umnutzung und gestalterische Aufwertung städtischer Gewässer ist ein allgegenwärtiges Thema. Es geht hier nicht um die „Big Player“ wie etwa Hamburg mit der Elbe, Trondheim am Fluss und Fjord oder gar New York am Hudson River, auch nicht um Wien oder Linz an der schönen blauen Donau, sondern um die rund 30 Klein- und Mittelstädte Österreichs, deren Siedlungsraum quasi durch einen Fluss getrennt werden. Hier wird oftmals die Unfinanzierbarkeit einer gesamtheitlichen Betrachtung als Rettungsanker zur Themenverdrängung vorgeschoben.

Brücken - Alleine das Wort „trennen“ impliziert, dass nur Brücken das verbindende Element zwischen nicht nur räumlich, sondern auch wirtschaftlich diametral funktionierenden Stadtteilen sind. Hier stellt sich die Frage, ob denn nur die Flussufer revitalisiert oder ob nicht zuletzt diese querführenden Flussverbindungen unter anderen Aspekten betrachtet und inszeniert werden müssen. Die Ponte Vecchio in Florenz und Rialto in Venedig sind Paradebeispiele: „Einfach nur rasch drüberkommen“ ist zu kurz gegriffen. Begrünte, mit Bäumen bepflanzte, architektonisch geschwungene, und mit der „Vorhangschlösser-Idee“ bestückte Übergänge sollten nicht nur den Blick auf die andere Seite, sondern vielmehr die Neugier auf die Flussufer fördern. Es sei denn, diese Flussufer sind nicht sehenswert!

Ufer - Sicherlich sind die infrastrukturellen und baulichen Erfordernisse an jedem Fluss in jeder Stadt individuell zu betrachten. Übergeordnet geht es jedoch immer um die funktionale Überlegung und optische Einbindung in ein lebendiges Ganzes. Und damit ist die Stadt gemeint! Wohnen am Fluss, Freizeiträume mit Sandstränden, Terrassen(cafés) und Stege, die über das Wasser ragen, kreative Radwege, Bootsanlegestellen, Lichtinszenierungen, Fotopunkte u.ä. sind nicht unbedingt neue Ideen, jedoch durchaus Ansätze für eigene Überlegungen. Über den unmittelbaren Uferbereich hinaus fasst die, dem Wasser zugewandte, oftmals unansehnliche Häuserfront den Raum im Übergang zur Stadt. Dieses in der Historie begründete Bild wird aufgrund des Bedeutungswandels in der heutigen Zeit zur wertvollen „vordersten Flusslagenfront“. Investoren sind gefragt!

Wasser – In der Gesamtheit der Betrachtung ist die „Bespielung“ des Wassers selbst ein weiterer Aspekt. Wo es möglich ist, sollte Boots- und Schifffahrt (Beispiele: Donau, Villach/Drau und Salzburg/Salzach) erlaubt sein, denn warum sollte es an österreichischen Flüssen keine elektrobetriebenen Wassertaxis geben? Einbauten am Beispiel der Murinsel in Graz heben ebenfalls die Gesamtattraktivität von Innenstadtlagen. Ein „heißer“ Tipp ist der tschechische Unesco-Weltkulturerbe Ort Krumau (Bild), durch den die Moldau fließt: keine bzw. wenige trennende Ufermauern, Cafés am Strand, eine Sandbank mitten im Fluss, Anlegestellen mit Grillplätzen für Kajakfahrer und bunt getünchte Häuserfronten lassen ein ländlich-urbanes Lebensgefühl der Sonderklasse aufkommen.

Stadtmarketer denken nicht daran Hobbyarchitekt oder Stadtplaner zu spielen.

Dazu gibt es hervorragende Experten, die wissen was sie tun. Gutes Stadtmarketing heißt zu wissen, wie unsere Gäste, Kunden und Kundinnen „ticken“, welche infrastrukturellen Anforderungen eine Stadt benötigt, damit auch der innerstädtische Handel eine gute Basis im ohnehin schon schwierigen Umfeld vorfindet. Es gilt, in eine kompetente Moderatorenrolle mit Expertenwissen zu schlüpfen, die auch einem zukunftsorientierten Stadtmarketing–Berufsbild entspricht. Aber das ist eine andere Geschichte!

Keiner kann mit einer Hand einen Knoten binden!

Aufgabe - und das ist eine Kernbotschaft - ist „Thementreiber“ zu spielen und mit kommunale Opinion Leader in einen Diskussionsprozess einzutauchen, der am Ende eine klare Aussage beinhaltet. So eben auch zu den vielen suboptimal genutzten Flächen entlang von Flüssen, die sich so oft noch als Furche durch eine Stadt ziehen. Schon klar, dass Wasserrechtsexperten, Fischereiverbände und Umweltschützer sofort das kleine aber bedeutende Wörtchen „aber“ im Sinn haben. Aber es geht in erster Linie gar nicht darum, dass wir überall weiße Strände, Schiffsanlegestellen und Marktfiranten auf Booten fordern, sondern darum nicht nur das Wasser, sondern auch das Gespräch darüber fließen zu lassen. Fazit: Flüsse haben das Potential zum Alleinstellungsmerkmal einer Stadt und das ist die Basis für eine erfolgreiche innerstädtische Wirtschaft!


Von Stadtsinn und Unternehmernutzen

Text: Gerhard Angerer / GF Stadtmarketing Villach GesmbH
Veröffentlichung am 28. Juli 2014

Der Artikel stellt einen Versuch dar, die Sinn und Nutzenfrage einer intermediären Gesellschaft am Beispiel der Stadtmarketing Villach GesmbH zu beantworten.

Generell ist “Stadtmarketing” von einst mit den zeitgemäßen Anforderungen einer Stadtmarketing Organisation nicht mehr vergleichbar. Dabei ist zu erkennen, dass dieser internationale Trend natürlich an uns nicht vorbeigeht und - wollen wir “am Puls der Zeit bleiben” - auch nicht vorbeiziehen darf. Wir besetzen in Villach in vielen Bereichen durchaus eine “Vorreiterposition”, da wir seit Bestehen der GesmbH nicht ausschließlich auf Aktionismus, sondern auf die Nachhaltigkeit unserer Maßnahmen setzen - und trotzdem: Die Kernfrage unserer Zukunft wird sich mit Sinn und Nutzen unserer Arbeit für die ansässigen Unternehmer beschäftigen müssen. Nur wenn diese Frage positiv beantwortet - und auch nach-gewiesen(!) - werden kann, dürfen wir davon ausgehen, dass die Stadtmarketing Villach GesmbH auf Dauer keinen Imageverlust erleidet und überlebensfähig ist.

Warum ist diese “Sinn- und Nutzenfrage” für uns so wichtig? Wir als zum überwiegenden Teil organisierte Non Profit Organisation (NPO) sind als Firma nicht in der Lage, durch Umsatz und Gewinn den Nachweis zu erbringen. Die Legitimation haben wir nur, wenn unsere UnternehmerInnen (also unsere Kunden) einen Sinn in unserer Arbeit sehen und einen Nutzen daraus ziehen. Genau hier trennt sich vermutlich die Meinung zwischen den handelnden Personen und Insidern der Stadtmarketing GesmbH und den UnternehmerInnen, die sich mit unserer Tätigkeit nicht oder nur am Rande auseinander setzen. Einerseits liegt Sinn und Nutzen ganz klar auf der Hand: Als Ansprechpartner und Servicestelle, als Kooperations- und Motivationsmotor, als Impulsgeber und Umsetzer sind wir sinnstiftend tätig! Das Kernproblem liegt aber darin, dass wir immer nur aus gesamt-altstädtischer Sicht und nicht für den Einzelnen (Ausnahme Villach Gutschein u. Gutscheinbox) agieren und somit nur indirekt Nutzen stiften können.

Wie können wir diese Herausforderung lösen? Annehmen sollten wir sie auf jeden Fall, aber Achtung: Nur eine einseitig verbesserte Unternehmensinformation bzw. -kommunikation wird’s aufgrund der vielfach vorherrschenden “Trittbrettfahrermentalität” auch nicht bringen! Ein Weg wäre, dass der GesmbH auch profitorientierte Geschäftsbereiche ermöglicht werden, ein weiterer Weg wäre eine verpflichtende - aber eher unrealistische - Einbindung über eine gesetzliche Regelung und für Intermediäre wäre es doch auch mal spannend darüber nachzudenken ob ein Budget auch mit dem Gedanken der Gemeinwohlökonomie zu erstellen ist.


Vom Eventmanager zum Markenhüter

Der folgende Text ist eine Zusammenfassung der Stadtmarketing Austria "DenkwerkStadt" vom Nov. 2013. Autorin: Alexandra Rotter
Veröffentlichung am 15. Jänner 2014 

Egal, wohin man in einer Stadt schaut – auf den Hauptplatz mit seinen Attraktionen, in die Haupt- und Seitenstraßen, wo sich Geschäftslokale befinden, oder an die Stadtränder, die meist von Wohnbauten und Einkaufszentren dominiert sind – fast überall mischen Stadtmarketing-Verantwortliche mit. Doch ist das immer sinnvoll? Sind manche Aufgaben ungerechtfertigt im Arbeitsbereich des Stadtmarketings gelandet – vielleicht, weil sie sonst niemand macht? Oder gibt es Dinge, die wichtig wären, zu denen die Hüter der Stadtmarke aber im Alltag nicht kommen? Diese und andere Fragen rund um die Aufgaben von Stadtmarketing in der Zukunft stellten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der DenkwerkStadt 2013 vom 21. bis 23. Oktober in Nußdorf am Attersee.

Simon Quin, Leiter des Institute of Place Management und Referent bei der DenkwerkStadt, stellt Österreich eine sehr gute Note aus – besonders in den vergangenen zehn Jahren habe das Stadtmarketing hierzulande an Bedeutung gewonnen. Doch Quin verweist auch auf die großen Herausforderungen wie die alternde Bevölkerung, CO2-Emissionen und den stärkeren Zusammenhalt der Communities: „Wir haben hier ein bisschen an der Oberfläche gekratzt, aber jetzt hat das Stadtmarketing die Chance, einen Schritt zurück zu treten und sich bewusst zu werden, dass man an diesen Dingen zwar bereits arbeitet, aber bisher noch nicht ausreichend darauf fokussiert war.“ 

Öffnen, aber auch Grenzen setzen

Stadtmarketing verändert und öffnet sich: Immer mehr Manager in diesem Bereich gehen neue Wege, indem sie zum Beispiel wie in Hall in Tirol näher an die Bevölkerung heranrücken. In einer fünfwöchigen konzertierten Aktion werden die Haller nach ihren Ideen für die Stadt befragt. In Salzburg wiederum war das Stadtmarketing in die Umgestaltung der Griesgasse zur Flaniermeile involviert. Das Handlungsgebiet der Stadtmarketing-Profis weitet sich aus, insbesondere auf den Bereich der Stadtentwicklung. Dennoch herrscht oft noch das Image des Weihnachtsmarkt-Organisators und Eventveranstalters vor. Inga Horny, Präsidentin von Stadtmarketing Austria sowie Geschäftsführerin des Tourismusverbandes der Salzburger Altstadt, sagt: „Das Image des Eventveranstaltens braucht eine Politur. Einen qualitätsvollen Event zu machen, der nachhaltig Zuspruch bei den Menschen findet, ist noch immer eine anspruchsvolle Herausforderung. Events und andere Ereignisse laden eine Stadt positiv auf, sollten aber nicht die einzige Aufgabe eines Stadtmarketing-Managers sein.“ 

Marke der Identität anpassen

Gleichzeitig muss sich Stadtmarketing aber auch von Aufgaben abgrenzen, die nichts mit der Identität der jeweiligen Stadt zu tun haben und somit nicht auf die Marke einzahlen. In der Klausur, die der DenkwerkStadt voranging, arbeitete der Vorstand von Stadtmarketing Austria einen Katalog jener Bereiche aus, für die das Stadtmarketing im Alltag in der Regel zuständig ist. Dieser 12 Punkte umfassende Katalog – darunter etwa Tourismusmarketing, Citymarketing, Standortmarketing, Public Affairs, Stadtentwicklung und Verwaltungsmarketing – wird die Basis für einen Selbstcheck sein, der helfen soll herauszufinden, wo die eigenen Stärken und Schwächen liegen und ob die Schwerpunkte richtig gesetzt sind oder zu viel Energie und Zeit in Tätigkeiten fließen, die nichts mit der Stadtmarke zu tun haben. So soll sichergestellt werden, dass die Stadtmarke sich der Stadtidentität anpasst. Nicht immer müssen Stadtmarketing-Verantwortliche sich um alles selbst kümmern, auch eine Funktion als „Wichtigmacher“ oder „Besserwisser“ innerhalb der Handlungsbereiche anderer, etwa der Politik, kann Sinn machen.  

Mitreden und mitreden lassen

Bedarf zum „Besserwissen“ und Mitreden gibt es, wie Reinhard Seiß, Stadtplaner und Autor von „Wer baut Wien?“, in seinem Vortrag deutlich machte. Er beobachtet einen Verlust an Lebensqualität in den Städten, vor allem durch die Verlagerung der Einkaufszonen an die Peripherie. Die „Speckgürtelisierung“ führt mitunter zu leblosen Innenstädten mit leer stehenden Lokalen und Gebäuden, und sie ist alles andere als nachhaltig, weil Wege hauptsächlich mit dem Auto zurückgelegt werden. Es herrsche ein „Nebeneinander von viel zu geringer und viel zu hoher Dichte. Von Stadtplanung braucht man da nicht mehr reden.“ Seiß kritisiert auch die Monofunktionalität von Gebäuden und ganzen Vierteln: Würden Bauten für Verschiedenes genutzt werden, zum Beispiel für Messen und Bildung, würde das für Belebung und weniger Leerstand sorgen. Positive Beispiele wie etwa in Lienz zeigen laut Seiß, dass die Stadtzentren wieder attraktiv gemacht werden können: „Es scheitert nicht an der Möglichkeit, nur am Willen.“

Langsam und geteilt

Positive Veränderungen geschehen etwa durch Initiativen wie Cittàslow, bei der die Prinzipien, die von Slow Food bekannt sind, auf Städte angewandt werden. In Österreich dürfen Enns, Hartberg und Horn mit dem Label werben. Auch sogenannte Shared Spaces, wo alle Verkehrsteilnehmer – Fußgänger wie Radfahrer, Autofahrer wie Busse – gleichberechtigt sind, werden immer öfter umgesetzt oder sind in Planung. Architektin Ursula Faix, Geschäftsführerin und Miteigentümerin von bad architects, weiß aus Erfahrung, wie wichtig der Planungsprozess ist: „Ich kann empfehlen, einen solchen Prozess gemeinsam zu entwickeln.“ Als Beispiel, wie „man es nicht machen soll“, nennt Faix die Mariahilfer Straße, positive Beispiele seien die Griesgasse in Salzburg, wenngleich sie formal kein Shared Space ist, und Thalgau, wo es „zum ersten Mal ein Zentrum gibt, wo man sich hinsetzen und Kaffee trinken kann.“

Mit Schwung und kreativen Anregungen aus aller Welt ging die DenkwerkStadt 2013 zu Ende. Daniela Krautsack, Chefin der Agentur Cows in Jackets, hat sich auf unkonventionelle Kommunikation und City Branding spezialisiert und aufgezeigt, wie verschiedene Städte eine emotionale Verbundenheit mit Besuchern und Bewohnern erreichen. Sie nennt etwa die Leinwand vor der Wiener Oper, auf der jeden Abend das Bühnengeschehen live übertragen wird, was ausgezeichnet zu Wien als Stadt der Musik passt. „Es soll eine Dach-Identität und Sub-Identitäten geben“, sagt Krautsack. Auf dieser Basis könnten konkrete Ziele formuliert werden. Keinesfalls dürfe einer Stadt eine Identität aufgezwungen werden: „Wenn ich wissen will, was meine Stadt kann, reicht es nicht, wenn ich mir Experten hole, die mir eine Identität überstülpen wollen.“ Besonders wichtig ist auch hier das Umdenken hin zu einem Bottom-up-Prozess, wie zum Beispiel in Madrid, wo Bürger Mobiliar für die Stadt selbst entwerfen durften, indem ihnen Bauanleitungen zur Verfügung gestellt wurden: „Ich muss als die Bürger auch lassen, ich muss sie integrieren. Das ist auch Teil der Identität.“

Es gehe um Identitäten und nicht um Images, unterstreicht auch Vereins-Präsidentin Inga Horny zum Abschluss. Die Rolle des Stadtmarketings ist in einem Wandel begriffen, der mit großen Herausforderungen einhergeht. „Wir werden in Zukunft mehr Projekte gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern entwickeln, wir werden uns sicher auch mehr in Stadtentwicklung, Raumordnung und Stadtgestaltung einmischen“, sagt Horny. Und: „Wir werden unsere Rolle als Markenhüter ausbauen, uns aber auch stark abgrenzen, das Profil schärfen und Projekte abstellen, die nicht auf die Marke einzahlen.“


Sonntagsöffnung im Handel - eine Hängebrücke zwischen gesellschaftpolitischen Nonsens und wirtschaftspolitischer Notwendigkeit

Text von: Gerhard Angerer

Veröffentlichung am 17. Juli 2013

 

Als Verantwortlicher einer Stadtmarketingorganisation fühlt man sich manchmal so wie ein „Eisschrankverkäufer im Eskimoland, und das im Winter“ - nämlich immer dann, wenn es gilt ansässigen Unternehmer und Unternehmerinnen „Kooperation zu verkaufen“. Nun stellt sich die berechtigte Frage, was „Sonntagsöffnungszeiten“ der Sparte Handel mit „Kooperationen verkaufen“ zu tun haben? Ich denke, sehr wohl sehr viel, denn sobald wir das kleine aber entscheidende Wort „gemeinsame“ oder „einheitliche“ als Eigenschaftswort zu „Sonntagsöffnungszeiten“ setzen, ist „Kooperation“ das Maß aller Dinge. Dieses Wort „gemeinsam“ wird meines Erachtens in den Sonntagsöffnungs-Diskussionen als „Erfolgsbaustein“ zu wenig berücksichtigt. Aber genau dieses Wort bedeutet „Kooperation im Handel“, eben dieses Wort verspricht Kundennutzen und sollte somit mittelfristig Erfolg für jeden Kooperationspartner (sprich Händler) bringen. Erschwerend wirkt, dass in Intermediären Gesellschaften - wie die einer Stadtmarketing-Organisation - das Thema oftmals als „Alibidiskussion ohne Lösungskompetenz“ geführt wird. Aber der Reihe nach:

Gemeinsam oder einsam? - Potentielle Sonntagsöffnungszeiten-Befürworter aus dem Unternehmerkreis sind gefordert für sich zu klären, ob der Sonntagsöffnungs-Nutzen für ihr Unternehmen alleine reicht oder das Umfeld (=Unternehmerkollegen) ebenfalls „mitspielen“ muss. Versuch einer Antwort: Obwohl ich eine wirtschaftsliberale Einstellung mein Eigen nenne, halte ich von einer Sonntagsöffnungszeiten-Diskussion und der damit einhergehenden Idee, dass jeder seine Zeiten nach seinen persönlichen Bedürfnissen und gefühlsmäßigen Kundenwünschen ausrichtet, weniger - um nicht zu sagen gar nichts! Begründungsversuch: Nur wenige Einzelhändler wären in der Lage „als einsamer Wolf“ in einer sonntags handelsmäßig geschlossenen Stadt die Offenhaltung des eigenen Geschäftes werblich so zu platzieren, dass die Botschaft an die breite Masse durchdringt. Nehmen wir an, die vorhin aufgestellte These ist nicht richtig und ein einzelner offener Händler hat damit auch wirtschaftlichen Erfolg. Gut und wichtig für den jeweiligen Unternehmer. Aber bringt ein einzelner offener Betrieb für den Standort einen Imagevorteil? Wohl eher nein. Ergo dessen sollte eine qualifizierte Unternehmerschaft – und damit meine ich mindestens die Hälfte der ansässigen Unternehmer - offen halten damit aus wirtschaftlicher und werblicher Sicht „Kraft“ entsteht.

Spätestens nach den ersten weniger erfolglosen Sonntagsöffnungen Einzelner wird – da man im eigenen Haus nicht gerne danach sucht - ein externer Sündenbock gesucht. Na ja, und wer soll denn das schon sein? Antwort: Der „Touristiker“, der zu wenige Gäste in die Stadt bringt. Der Stadtmarketing-Verantwortliche, der dieses Thema zu wenig beworben hat oder gar der jeweilige politische Gegner, weil das einfach opportun ist irgendjemanden die Schuld zuzuweisen? Feststellung: das kann’s ja wirklich nicht sein!

Gesellschaftspolitischer Nonsens - Vorweg: Eine generell Freigabe der Sonntagsöffnung ist ein gesellschaftspolitischer Nonsens sondergleichen. Wer glaubt denn schon daran, dass die Kaufkraft damit höher wird? Wer glaubt denn schon daran, dass sich unsere Konsumenten deshalb im Herbst einen zweiten Pullover kaufen und wenn schon, wo kommt denn das Geld her und wo wird dieser Umsatz fehlen? In der Freizeitwirtschaft, bei den Liftgesellschaften oder Fitnessstudios? Bei den Gastronomen im Absatz vom sonntägigen „Wiener Schnitzel“ und in weiterer Folge beim Fleischhauer, weil dieser zu wenig Kalbfleisch verkauft? Oder, oh‘ Schreck bei Apple & CO weil der Wiederanschaffungsrhythmus vom eigenen Smartphone kürzer wird? Oder gar am Sparbuch oder im Strumpf unter der Matratze etwa? Halten wir fest, dass ein offener Händlersonntag den Kaufkraft-Kuchen nicht vergrößert, sondern die Kuchenstücke für jeden nur kleiner werden. Hoffentlich zustimmen werden Sie auch bei der Feststellung, dass ein freier Sonntag - zumindest für jene, die frei haben – ohne Shoppingerlebnis auch „überlebbar“ ist, von der Wochenhektik befreit und andere wie auch immer geartete Beschäftigungen – vom sonntägigen Gang in die Kirche, der angeblich ja auch nicht schadet, über den Besuch des Musiker- und Feuerwehrfestes, den duzenden Sport und Freizeitangeboten, bis hin zum banalen Tratsch über die Hecke mit dem Nachbarn einfach zum eigenen Wohl beiträgt und somit indirekt unsere Gesellschaft und soziale Kultur stärkt. An dieser Stelle ist ein dickes Dankeschön an jene Berufsgruppen fällig, die die regelmäßige Sonntagsruhe nicht genießen können. Inhaltliche Argumente wie etwa „Wir müssen ja auch…“ würde ich mit „... nicht Gleiches mit Gleichem vergelten!“ entkräften.

Wirtschaftspolitische Notwendigkeit - Nur dürfen wir bei dieser oben ausgeführten eher einseitigen Betrachtungsweise die zweite Seite der Medaille nicht vergessen! „Öffnungszeit“ ist nicht Thema eines „gallischen Dorfes“ sondern muss Thema des jeweiligen touristischen aber auch regionalen Kaufkraft-Einzugsgebietes sein. Was passiert, wenn „das große Reich“ rund um das gallische Dorf am Sonntag offen hat? Anmerkung: Dieser geografische Vergleich bezieht sich nicht auf periphere und innerstädtische Lagen, sondern auf den gesamten Alpe Adria Raum. Wir sollten leider noch immer davon ausgehen, dass die Kundenmehrheit dorthin pilgert wo sie ihre Ersatzbefriedigung zur doch so langweiligen freien Zeit findet! Was denn, wenn nach dem E-Commerce Trend, der vielen Einzelhändler ein 2-stelliges Umsatzminus brachte ein „Sonntagsshopping-Trend“ über uns schwappt und weitere Umsatzminuszahlen drohen? Wir brauchen keine Propheten sein, um uns vorzustellen was passiert, wenn die ohnehin schon angespannte heimische Handelsszene nochmals „Knüppel vor die Ladentüre“ geworfen bekommt! Welche Maßnahmen wird denn ein pflichtbewusster Kaufmann setzen, wenn Einbußen drohen? Zusperren und Existenz aufgeben? Oder vorher alle Mittel in Bewegung setzen - auch die Sonntagsöffnung einführen - um schlichtweg unternehmerisch zu überleben? Stellen wir uns nun einen Betrieb vor, der Sonntag aufsperren muss um zu überleben: „Unwille“ ist vorausgeplant…

Praxisorientierter Vorschlag – Im starken Glauben daran, dass die immer wieder aufkeimende Sonntagsöffnungsdebatte ein Thema der europäischen Regionen sein muss und in der Befürchtung, dass das Thema zentralistisch und somit falsch verordnet wird, sollten wir, um nicht zu stolpern einen Schritt nach dem anderen setzen. Erster Schritt: Vorerst einheitliche Kernöffnungszeiten unter der Woche über einen längeren Versuchszeitraum (ab einem Jahr aufwärts…) kooperativ umsetzen. Hier stellt sich die Frage wie Kernöffnungszeiten aussehen könnten. Unternehmerfreundlich? Mitarbeiterfreundlich? Oder "gar" Kundenfreundlich? Wenn bei solchen Diskussionen „Alibizeiten, die keinen Kunden hinter dem Ofen hervorlocken“ und nur ein größtmöglicher Konsens rauskommt, lautet der Vorschlag: „Bleiben lassen!“ Ideen dazu wird es viele geben. Etwa in den Sommermonaten durchwegs 2 Stunden Mittagspause dafür am Abend bis 20.00 Uhr? Oder unter der Woche weniger Stunden dafür alle Samstagnachmittags? Das "Erfolgsrezept" liegt nicht in der jeweiligen persönlichen Lieblingsvariante sondern bei 2 Kriterien: 1) Kundenfreundlich und nicht am Kunden vorbei. Daher wäre es nützlich die Kunden zu fragen! 2) Möglichst viele Unternehmer sollten sich daran halten. Am besten alle! Daher wäre es überlegenswert, einen "Mechanismus" zu finden, bei dem kein Unternehmer "nein" sagen kann. Schlussthese: Wenn unter der Woche die Unternehmerkooperation funktioniert wird die Sinnhaftigkeit bzw. Notwendigkeit der Sonntagsöffnung in Frage gestellt!


THEMA: "Reale Einkaufswelt versus Onlineshopping - der Wettbewerb eröffnet neue Fronten"

Unsere Gutscheinbox als Best Practice Beispiel!

Text von: Gerhard Angerer
Veröffentlichung am 10. März 2013

Die Wertigkeit! Städtische Erfolgsfaktoren sind so vielfältig wie der Blick darauf. Themen aus den Bereichen Architektur, Mobilität, Technologie, Sicherheit, Inszenierung, Tradition, Soziales, u.v.m., haben die Berechtigung als ein Erfolgsfaktor angesehen zu werden. Etwas tiefer, aus der Vogelperspektive, betrachten wir den Erfolgsfaktor „Handelsattraktivität“. Dazu fallen der breiten Unternehmermeinung richtigerweise Themen wie Rentabilität, Serviceleistung und Produktqualität ein. Mancherorts werden Misserfolgsfaktoren ausschließlich außerhalb des eigenen Einflussbereiches gesucht und permanent die „Wer ist schuld an meinem Problem…-Frage“ gestellt. Stadtmarketing-Insidern fallen wahrscheinlich vorwiegend Kooperations(un)wille und Branchenmix-Themen ein. Seriöse Experten beschäftigen sich meist mit den Themen Standortstabilität und Medien oftmals mit dem einseitigen Wettbewerb zwischen den Innenstädten und den grünen Wiesen! Aus der Vielfalt aller mehr oder weniger berechtigten Experten-, Stammtisch- und sonstigen Diskussionsrunden, und auf der Suche nach Misserfolgs-Ursachen „stolpert“ man nur manchmal über den nicht zu übersehenden Trend der Online Shops. Hier könnte man vermuten, dass das Thema einfach verdrängt wird!

Die Ernüchterung! Diese vielerorts noch nicht erkannte Bedrohung bringt mit sich, dass die damit verbundenen Chancen auch nicht gesehen werden können. Das Gottlieb Duttweiler Institut brachte es in der Studie „The Story of Unstoring“ (2010) mit folgenden Kernaussagen auf den Punkt! „Unstoring bedeutet eine Entwicklung, die den klassischen Händler umgeht…“, „es erwartet uns eine Zukunft, die den Laden - so er bei Bestehendem verharrt - überflüssig machen könnte…“, „statt einer klaren Trennung zwischen Online und realer Welt, verschmelzen die beiden Universen…“ und „seit immer günstigere und leistungsfähigere Endgeräte auf den Markt kamen, musste die Geschichte des Einkaufs neu geschrieben werden. Am Laden vorbei!“ Auch die KMU Forschung Austria schrieb im Juni 2011 in der Studie „Distanzhandel begeistert alle Generationen“, dass es zukünftig „kein reales Shopping ohne vorheriger Internet Recherche“ geben wird. Zahlen daraus ergeben, dass 4,1 Mio. Österreicher im Distanzhandel (so der sperrige Fachbegriff) kaufen und durchschnittlich € 1.300,-- ausgeben. Nur 16% der Konsumenten kaufen alles bei einem Anbieter, somit haben auch kleinere Plattformen Chancen ein Stück des „Online Shop Kuchens“ abzubekommen. Ausgabefreudigste Altersgruppe der „Onlineshopper“ stellt die Gruppe der 30-39 jährigen dar. Spannend zu betrachten sind auch die unterschiedlichen Bereiche der Wertigkeit im Kaufkraftverhalten. Hierbei zeigt sich, dass der Bereich Bekleidung den Bereich der Bücher bereits überholt hat, die Bereiche Elektro, Möbel, Schuhe, Musik, CD’s und Spielwaren landen knapp dahinter. Festzustellen ist, dass nahezu alles - vom hochpreisigen Auto bis zur kitschigen Zuckerlbox - virtuell ausgewählt und wenige Tage später frei Haus geliefert wird!

Eine Feststellung! Vielerorts wird mangels Gegenstrategie das Thema einfach ignoriert, gleichzeitig stellt sich die Frage, der Verantwortlichkeit. Sollte sich jeder selber einen Shop einrichten (lassen) oder wäre es nicht sinnvoller auch hier Kooperationen zu suchen? Die Aufforderung gilt: Reden Sie darüber! Es muss nicht immer der - zugegebenermaßen auch wichtige - Kaufkraftabfluss in die Nachbarstadt sein oder noch „enger“ gedacht, der Abfluss in die peripheren Gebiete innerhalb der eigenen Stadtgrenzen Gesprächsstoff sein! Stellen Sie sich der Tatsache, dass das Onlineshop-Geschäft jetzt schon der stärkste Konkurrent des stationären Einzelhandels ist und nehmen Sie dieses bereits eingetroffen Szenario ernst! Beweis gefällig? Dann beobachten Sie z.B. große Printmedien die sich dieses Themas annehmen und offensichtlich erfolgreiche Online-Auktionen mit den heimischen Händlern veranstalten, aber mittlerweile auch themenorientierte (z.B. Baby- und Genussartikel) Onlineshops ganzjährig mit Partnern betreiben bzw. promoten. Warum wohl?

Ein Lösungsversuch! Fakt ist, dass eine Stadtmarketingorganisation im besten Fall „Markenwächter“ ist und identitätsstiftend wirkt. Fakt ist aber auch, dass frequenzbringende Aktionen gesetzt werden sollten. Genau hier ist der Widerspruch mit herkömmlichem Stadtmarketing-Verständnis zu überwinden. Idee dazu wäre, die Betreibung eines gemeinsamen Onlineshops für den stationären Einzelhandel, in dem ausschließlich Gutscheine gekauft werden können. So ist sichergestellt, dass z.B. der Kunde/die Kundin den Weg in das Geschäft suchen muss. Das Kaufmotiv und die Werbeaussage würden dazu auf der Hand liegen! „Bequem von zu Hause aus shoppen, mit der Sicherheit beim bekannten Händler um’s Eck in der eigenen Stadt einzukaufen“! Das würde den Trend zur Regionalität unterstützen und das Thema „Unsicherheit bei Onlinekäufen“ minimieren. Es stellt sich einzig die Frage, ob heimische Händler/Dienstleister den oben erwähnten Kooperationsunwillen überwinden können, da eine kritische Angebotsmasse (möglichst viele Unternehmer müssen teilnehmen) die Attraktivität eines Onlineshops bestimmt.

Nahe oder ferne Zukunft? Drei attraktive Gedankengänge müssen das Tun von Stadtmarketingorganisationen bestimmen. Erster Gedankengang: „Virtuelles Schaufenster“! Ein Gutschein-Onlineshop könnte eine ausbaufähige Basis für einen „richtigen“ Webshop sein, um damit den Startschuss zu einer gemeinsamen städtischen Artikel- u. Dienstleistungsdatenbank zu setzen! Zweitens, würde so eine Maßnahme zumindest ein schlagkräftiges Argument zur Minderung der Problemantik sein und für den einen oder anderen Betrieb durchaus nutzenstiftend wirken! Drittens könnte es durchaus eine österreichweit agierende Plattform geben, um Zeit- und Geldressourcen der Einzelnen nicht überzustrapazieren. Der Verein Stadtmarketing Austria wäre für solche Projekte der richtige Impulsgeber!

Quellen im Text erwähnt: Gottlieb Duttweiler Institut und KMU Forschung Austria


Ein Praxisbericht zum Thema QUARTIERSENTWICKLUNG/BID

Text von: Gerhard Angerer
Veröffentlichung am 10. März 2013

Man nehme eine in die Jahre gekommene Häuserzeile, in der in den letzten Jahren Stadtentwicklung ein Fremdwort war. Überzeugt die öffentliche Hand, die Finanzierung des Notwendigen (z.B. neue Mülleimer und deren öftere Entleerung) und des Gewünschten (z.B. einige Inserate in den lokalen Medien) zu übernehmen, schließt einen zeitbefristeten Vertrag und fertig ist ein Quartier, BID oder wie auch immer die Fachwelt ein gemeinsam agierendes Stadtviertel nennt! Erfolgsversprechender und derzeit ein wenig “trendiger“ da weniger Aufwand: Sie nehmen anstatt einer Häuserzeile ein strategisch gut gelegenes Haus dieser Gegend, mit einer entsprechend großen Freifläche, versprechen dem Immobilienbesitzer Mieter zu bringen, im Gegenzug dafür verlangen Sie, dass er endlich die Fläche ausmalt, eventuell den Boden renoviert und die Heizung repariert. Letztere Maßnahmen wären ja ohnehin als Basic zur besseren Vermietungschance anzusehen. Danach „ködern“ Sie mit einigen mietfreien Monaten ein paar Firmen der New Economy (seien Sie nicht zu wählerisch in der Auswahl…), organisieren einige Schreibtische und fertig ist - ganz dem urbanen Zeitgeist entsprechend - ein Co-Working-Space. Diese Vorgangsweise ist sicherlich für einige Entscheidungsträger (sprich Politiker) - da öffentlichkeitswirksam und kurzfristig problemlösend – eine interessante Variante, da dieses Thema allemal für einige Pressemeldungen in den regionalen Medien gut ist. Als kleinen themenfremden Ausflug biete ich Ihnen eine Wette an: In diesen Pressetexten wird der Begriff „Nachhaltigkeit“ vorkommen! Aber ist “Nachhaltigkeit“ nicht schon ein Modewort der PR-Strategen, und wer sagt, dass Nachhaltigkeit immer positiv besetzt ist? Gerade in Stadtentwicklungsprozessen stoßen wir leider auch immer wieder auf nachhaltig schlechte Entwicklungen. Im Prinzip wäre die oben salopp beschriebene Vorgangsweise ja ganz ok, wenn da nicht unzählige unterschiedliche Interessenslagen, mangelnde Kooperationsbereitschaft, ja sogar Unwille und kollektiv fehlender Leidensdruck diese wichtigen Prozesse hemmen würden. Theoretiker (sprich Berater) übersehen gerne auch, dass jede große oder kleine Stadt, jede Gasse oder Straße, jeder Platz oder jedes Viertel, jedes Haus oder Innenhof, jeder Besitzer, jede Besitzerin, jeder Mieter, jede Mieterin des betroffenen und oftmals nicht einmal geografisch eingegrenzten Viertels einen - mit an 100%iger Wahrscheinlichkeit grenzenden - individuellen Lösungsansatz benötigt, der maßgeschneidert und größtmöglich alle Interessenslagen berücksichtigt! Daher: Überlegen Sie gut, ob Sie einen langen Atem (sprich Zeit-, Finanz- u. Personalressourcen) für so ein Viertel-Projekt haben, überlegen Sie gut, wen Sie mit ins Boot holen (sprich Betroffene u. Umwelten), und überlegen Sie gut, ob und wenn ja welchen Experten Sie als Moderator oder Coach für die konstruktive Arbeit engagieren! Wenn Sie noch immer überzeugt sind, dass der Schritt ein für Ihre Stadt notwendiger ist, sollten Sie davon ausgehen, dass Sie zu Beginn eines brauchen: Zeit, Zeit und nochmals Zeit! Am Beispiel Villach/Lederergasse waren es genau 18 Meetings / eine Studienreise / einige Dutzend Einzelgespräche und eine Expertenstudie (CIMA) innerhalb von 24 Monaten mit dem Ergebnis, dass ein Verein ausschließlich mit ImmobilienbesitzerInnen der Gasse gegründet wurde. Damit – und das sollte Ihnen bewusst sein - ist jedoch nur die Basis gelegt, mit den Betroffenen in einen gemeinsamen Entwicklungsprozess einzusteigen. Operativ notwendig ist in weiterer Folge die Umsetzung kurzfristiger Maßnahmen, da diese schnell sichtbar und somit motivierend wirken. Ein Beispiel dazu wäre, eine themenorientierte aber zeitbefristete Inszenierung der Gasse, um ein öffentliches Gesprächsthema zu werden. Mittelfristige Maßnahmen wären z.B. die Einführung eines permanenten „Graffiti-Services“ und die laufende Kommunizierung der Aktivitäten. Langfristig gesehen, steht eindeutig das Thema der „Flächenfüllung“ an oberster Stelle der Aktivitäten. Am erwähnten Beispiel in Villach‘s Lederergasse wurde dazu im dritten Immobilienbesitzer-Vereinsjahr ein weiterer struktureller Meilenstein mit einer ARGE-Gründung mit 3 Gesellschaftern und mehreren überregional agierenden Partnerfirmen vorgenommen. Der Verein konzentriert/minimiert somit den Aufgabenbereich auf das Wesentliche und ermöglicht über das ARGE-Geschäftsmodell die professionelle Füllung und Bewirtschaftung der Flächen! Die ARGE ist mittelfristig gewinnorientiert ausgerichtet und im Wesentlichen eine Community, die eine völlig neue Form der Urbanität widerspiegelt. CO-QUARTIER – so der eingetragene Firmenname der ARGE - bringt Menschen zusammen, die Freude daran haben, als kleine/r Unternehmer/in Neues zu schaffen und eine pulsierende Innenstadt als Arbeitsraum zu wählen. Das „CO“ steht für ernsthaft gemeinte Kooperation und gemeinsam gelebte Innovation. „QUARTIER“ steht für den klar abgegrenzten geografischen, aber zukünftig auch virtuellen Raum. Daraus abgeleitet wird der „Claim“ zum Logo: Mein Raum!

DATENBOX zum CO-QUARTIER: RECHTSFORM: Arbeitsgemeinschaft | 3 ARGE Gesellschafter zu gleichen Teilen: Verein Lederergasse |IT-Management GmbH | Stadtmarketing Villach GesmbH | Weitere Partner: TELE 2 | Raiffeisenbank | 2 Geschäftsführer in der Startphase: Anton Abson (techn. Teil), Gerhard Angerer (kaufm. Teil) ZWECK der ARGE: Kooperation, Förderung, Entwicklung und Ansiedelung (kleiner) Unternehmen der Kreativwirtschaft in der Lederergasse ZIEL/AUFTRAG: 10 Kooperationspartner bis Ende 2013 MEILENSTEINE: Glasfaserkabel-Verlegung | Eröffnung Meeting Point | Einzug der ersten UnternehmerInnen |